UNO: Arabische Welt hat Anschluss verloren

1. April 2004, 11:25
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Jüngster Bericht des UN-Entwicklungs­programms macht eine "Wissenslücke" zwischen arabischen Staaten und dem Rest der Welt aus

9/11 war das eine Ende des Fadens, die politische Unfreiheit und die Frustration der Bevölkerung in den arabischen Staaten das andere. Eine "tiefe Modernisierungskrise in weiten Teilen der islamisch-arabischen Welt" hat der deutsche Außenminister Joschka Fischer als Ursache des "Djihad-Terrorismus" ausgemacht. Der Kampf gegen den Terrorismus, so erklärte Fischer, als er im vergangenen Februar parallel zur US-Regierung seinen Vorschlag für eine "transatlantische Initiative für den Nahen und Mittleren Osten" vorstellte, sei vor allem auch eine Frage von Demokratie, Frauenrechten, guter Regierungsführung und sozialer Modernisierung.

Wie sehr die arabische Welt den Anschluss an die Moderne verloren hat und in der Folge militanten Extremisten den Boden bereitet, legte der jüngste Bericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) offen. Der von rund 30 arabischen Gelehrten verfasste Bericht macht eine "Wissenslücke" zwischen den arabischen Staaten und dem Rest der Welt aus.

Staatliche Zensur, so heißt es dort unter anderem, begrenzt das intellektuelle Leben und den kulturellen Austausch: Ein Bestseller erreicht in der arabischen Welt mit einer Bevölkerung von etwa 284 Millionen Menschen in der Regel eine Auflage von nur 5000 Stück.

17 Prozent der in arabischen Ländern veröffentlichten Bücher sind religiösen Fragen gewidmet; fünf Prozent ist die Vergleichszahl in anderen Weltregionen. Die Zahl der Übersetzungen ausländischer Druckerzeugnisse ins Arabische liegt weit hinter den Mengen in anderen Staaten zurück: Fünfmal mehr Bücher werden jährlich ins Griechische – eine Sprache, die nur von elf Millionen Menschen gesprochen wird – übersetzt als ins Arabische.

Gesetzesverschärfungen im Rahmen des Antiterrorfeldzugs haben die "Wissenslücke" nur vertieft: Um 30 Prozent sank seit dem September 2001 zum Beispiel die Zahl der Studenten aus arabischen Staaten an US-Universitäten. Für Forschung und Entwicklung geben arabische Staaten ohnehin nur 0,2 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts aus. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.3.2004)

Von Markus Bernath

www.undp.org/rbas/ahdr/

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    Seit dem September 2001 sankt die Zahl der Studenten aus arabischen Staaten an US-Universitäten um 30 Prozent. Im Bild: Studenten der Universität Kabul in Afghanistan.

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