Gold und Seide aus den "Nobiles Officinae"

7. April 2004, 13:01
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Wien - "Nobiles Officinae - Die königlichen Hofwerkstätten zu Palermo zur Zeit der Normannen und Staufer im 12. und 13. Jahrhundert" ist der sperrige Titel einer Ausstellung des Kunsthistorischen Museums (KHM) in der Hofburg. Ein Teil der Schau, wunderbare mittelalterliche Krönungsgewänder von König Wilhelm II, ist ständig in der Weltlichen Schatzkammer untergebracht.

Die aus internationalen Beständen geliehenen Exponate wie etwa die prächtige "Krone der Konstanze von Aragon" (um 1220/1222) oder die "Stola zur Monstranze der Kathedrale" sind von 1. April bis 13. Juni in der Alten Geistlichen Schatzkammer zu bestaunen.

Historische Pracht

Als "Objekte von besonderer historischer Pracht" bezeichnete Wilfried Seipel, Generaldirektor des KHM, die ausgestellten Stücke bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Einige davon gehören zu den Kostbarkeiten der Weltlichen Schatzkammer: die Insignien und Kleinodien des Heiligen Römischen Reiches, darunter Krönungsgewänder. Im Vorwort des Katalogs schreibt Seipel: "Niemand nahm je Anstoß an ihrem fremdartigen Aussehen oder wunderte sich darüber, was die Darstellung von Kamelen am Mantel von Herrschern zu suchen hatte, die erst selten und dann gar nicht mehr gegen Süden zogen".

Herrschermantel

Friedrich II. trug 1220 erstmals Teile des Ornats als Kleidung des Römischen Kaisers. Die prächtigsten der Gewänder wurden aber schon früher für die normannischen Könige von Sizilien geschaffen, in deren Hofwerkstätten zu Palermo. Durch Heirat (Heinrich VI. und Prinzessin Konstanze) war 1194 das Königreich Sizilien - und damit der Herrscherornat - zu den Staufern gekommen.

König Roger II. (regierte von 1130-1154) führte als erster eine prunkvolle, am byzantinischen Kaiserhof orientierte Hofhaltung ein und brachte die Künste in den königlichen Werkstätten, dem Ergasterion (auf Latein Nobiles Officinae genannt), zum Blühen. Das prachtvollste Werk ist jener Herrschermantel mit der Darstellung des Löwen über dem Kamel.

Stilistische Merkmale und Motive

Unter König Wilhelm I. gediehen die Nobiles Officinae weiter, in denen Moslems gemeinsam mit Christen aus dem griechisch-orthodoxen wie aus dem römisch-katholischen Kulturkreis arbeiteten. Entsprechend mischten sich auch stilistische Merkmale und Motive auf den textilen Kunstwerken. Unter der Regierung Friedrichs II. gelangte der Krönungsornat auch in den Norden, wo er zum Ornat des Heiligen Römischen Reiches wurde.

Seiner Fremdartigkeit wegen hatten sich bereits Legenden um den Ornat gebildet, es hieß, er ginge auf Kaiser Karl den Großen zurück. Friedrich ließ den Ornat ergänzen und gab bei den Nobiles Officinae neue Insignien in Auftrag: in der Schatzkammer ist auch sein Zeremonienschwert mit dem für die Nobilis Officinae charakteristischen Dekor aus Senkschmelz und dem so genannten "Würmchenfiligran" zu sehen.

Mitra aus 12. Jahrhundert Wunderbar gemacht ist auch die ausgestellte Mitra aus dem Ende des 12. Jahrhunderts mit Eingriffen aus dem 13. und 18. Jahrhundert. Ebenfalls zu bestaunen: der Futterstoff des Mantels von König Roger II. von Sizilien, eine unglaubliche Arbeit in Tapisserietechnik, mit Häutchengoldfäden und bunten Seidenfäden. (APA)

Ausstellung "Nobiles Officinae - Die königlichen Hofwerkstätten zu Palermo zur Zeit der Normannen und Staufer im 12. und 13. Jahrhundert" des KHM, Alte Geistliche und Weltliche Schatzkammer, Schweizer Hof, Hofburg, Wien 1, tgl. außer Di von 10 bis 18 Uhr

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Kunsthistorisches Museum

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