Wien - "Nobiles Officinae - Die königlichen Hofwerkstätten
zu Palermo zur Zeit der Normannen und Staufer im 12. und 13.
Jahrhundert" ist der sperrige Titel einer Ausstellung des
Kunsthistorischen Museums (KHM) in der Hofburg. Ein Teil der Schau,
wunderbare mittelalterliche Krönungsgewänder von König Wilhelm II,
ist ständig in der Weltlichen Schatzkammer untergebracht.
Die aus
internationalen Beständen geliehenen Exponate wie etwa die prächtige
"Krone der Konstanze von Aragon" (um 1220/1222) oder die "Stola zur
Monstranze der Kathedrale" sind von 1. April bis 13. Juni in der
Alten Geistlichen Schatzkammer zu bestaunen.
Historische Pracht
Als "Objekte von besonderer historischer Pracht" bezeichnete
Wilfried Seipel, Generaldirektor des KHM, die ausgestellten Stücke
bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Einige davon gehören zu den
Kostbarkeiten der Weltlichen Schatzkammer: die Insignien und
Kleinodien des Heiligen Römischen Reiches, darunter Krönungsgewänder.
Im Vorwort des Katalogs schreibt Seipel: "Niemand nahm je Anstoß an
ihrem fremdartigen Aussehen oder wunderte sich darüber, was die
Darstellung von Kamelen am Mantel von Herrschern zu suchen hatte, die
erst selten und dann gar nicht mehr gegen Süden zogen".
Herrschermantel
Friedrich II. trug 1220 erstmals Teile des Ornats als Kleidung des
Römischen Kaisers. Die prächtigsten der Gewänder wurden aber schon
früher für die normannischen Könige von Sizilien geschaffen, in deren
Hofwerkstätten zu Palermo. Durch Heirat (Heinrich VI. und Prinzessin
Konstanze) war 1194 das Königreich Sizilien - und damit der
Herrscherornat - zu den Staufern gekommen.
König Roger II. (regierte
von 1130-1154) führte als erster eine prunkvolle, am byzantinischen
Kaiserhof orientierte Hofhaltung ein und brachte die Künste in den
königlichen Werkstätten, dem Ergasterion (auf Latein Nobiles
Officinae genannt), zum Blühen. Das prachtvollste Werk ist jener
Herrschermantel mit der Darstellung des Löwen über dem Kamel.
Stilistische Merkmale und Motive
Unter König Wilhelm I. gediehen die Nobiles Officinae weiter, in
denen Moslems gemeinsam mit Christen aus dem griechisch-orthodoxen
wie aus dem römisch-katholischen Kulturkreis arbeiteten. Entsprechend
mischten sich auch stilistische Merkmale und Motive auf den textilen
Kunstwerken. Unter der Regierung Friedrichs II. gelangte der
Krönungsornat auch in den Norden, wo er zum Ornat des Heiligen
Römischen Reiches wurde.
Seiner Fremdartigkeit wegen hatten sich
bereits Legenden um den Ornat gebildet, es hieß, er ginge auf Kaiser
Karl den Großen zurück. Friedrich ließ den Ornat ergänzen und gab bei
den Nobiles Officinae neue Insignien in Auftrag: in der Schatzkammer
ist auch sein Zeremonienschwert mit dem für die Nobilis Officinae
charakteristischen Dekor aus Senkschmelz und dem so genannten
"Würmchenfiligran" zu sehen.
Mitra aus 12. Jahrhundert
Wunderbar gemacht ist auch die ausgestellte Mitra aus dem Ende des
12. Jahrhunderts mit Eingriffen aus dem 13. und 18. Jahrhundert.
Ebenfalls zu bestaunen: der Futterstoff des Mantels von König Roger
II. von Sizilien, eine unglaubliche Arbeit in Tapisserietechnik, mit
Häutchengoldfäden und bunten Seidenfäden. (APA)
Ausstellung "Nobiles Officinae - Die königlichen
Hofwerkstätten zu Palermo zur Zeit der Normannen und Staufer im 12.
und 13. Jahrhundert" des KHM, Alte Geistliche und Weltliche
Schatzkammer, Schweizer Hof, Hofburg, Wien 1, tgl. außer Di von 10
bis 18 Uhr
Link
Kunsthistorisches Museum