Die Vermittlungsspezialisten

5. April 2004, 19:16
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Jeunesse-Chefin Angelika Möser über Konzertpläne, Raumwünsche und die Symphoniker

Wien - Wenn sie die Entstehung neuer Musikräume zwischen Musikverein und Theater an der Wien betrachtet, könnte Angelika Möser auch deshalb der Idee etwas abgewinnen, für ihre Institution, die Jeunesse, einen fixen Spielort zu suchen: "Ich bin mir bezüglich der Raumidee noch nicht sicher. Ein eigenes Haus würde Identität stiften; es ist für uns nicht leicht, als Veranstalter aufzufallen. Andererseits: Zur Stärke der Jeunesse gehört ja auch, neue Räume zu entdecken und diese zu bespielen."

Die musikalische Jugend tut dies im nächsten Jahr ausgiebig, sie legt für 2004/05 ganze 30 Zyklen auf und bietet 15.000 Abonnements zum Verkauf an. Der Geiger Joshua Bell kommt, auch Pianistin Hél`ene Grimaud. Ja, und neue Räume: Der Barock-Zyklus Alte Meister wird erstmals ins Liechtenstein-Museum locken und ein Jazz-Zyklus reagiert drauf, dass mit dem Birdland von Joe Zawinul ein neuer Club eröffnet wird.

"Die Vorschläge gingen großteils von uns aus, das Birdland hat sich dann in unser Programm eingeklinkt. Die Künstler spielen dann dort natürlich mehrere Tage, verschiedene Programme, und das ist das Konzept des Birdland." Kernbereich bleibt natürlich die Klassik, deren Vermittlung. Die Jeunesse ermöglicht Konzert- und Probenbesuche, legt Wert auf die Basisarbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Neu ist ein Zyklus für Elf-bis 14-Jährige (Titel: Music4u). Ein eigenes Segment für die eher schwierig zu erreichende Altersgruppe von 14 bis 18 Jahren wird auch geplant. In der übernächsten Saison soll Das andere Konzert mit den Wiener Symphonikern und Kabinetttheater-Leiter Christopher Widauer entstehen. Stichwort Symphoniker und Radiosymphonieorchester Wien:

Wenn beide dereinst im Theater an der Wien Oper spielen werden, hat Möser die Sorge, dass sich das auf die Probentätigkeit der Orchester im Konzertbereich negativ auswirkt. Im Orchesterbereich ist dem Veranstalter Jeunesse ja nicht sehr viel Spielraum gegeben. Man ist da mit Musikverein und Konzerthaus partnerschaftlich verbunden, kann mit den eigenen Abonnenten helfen, schwierige Konzerte zu füllen. Aber die erste Orchesterkategorie selbst einzuladen, dafür fehlt das Geld. Mehr als 25.000 Euro pro Orchester ist nicht drin, etwa ein Drittel dessen, was der Musikverein zahlt.

Dennoch, Klage ist nicht zu vernehmen. Möser wundert sich zwar darüber, wie viel Geld da ist, um das Ronacher in Schuss zu bringen und dass im Theater an der Wien auch noch Konzerte veranstaltet werden sollen. Aber finanziell stehe die Jeunesse auf einer guten Basis. Das Gesamtbudget beträgt 3,7 Millionen Euro, man spielt mehr als die Hälfte selbst ein. Immerhin: Es sind pro Jahr damit 600 Konzerte zu bewältigen. Mit zwölf fix angestellten und vielen ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern in den Bundesländern.

Da sie erst einige Monate im Amt ist, als Nachfolgerin von Matthias Naske, war es schon eine aufwändige Sache, durchaus eine "Tour de force", die erste Saison zu planen. Zumindest räumlich musste sich die 35-Jährige nicht sonderlich umstellen. Sie arbeitete jahrelang im Konzerthaus und hat einfach nur das Zimmer gewechselt. Die Jeunesse genießt ja in der Lothringerstraße Gastrecht. (Ljubisa Tosic/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31. 3. 2004)

Aboverkauf für die nächste Saison ab 14. April.

Jeunesse Österreich
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