Die Razzia am Naschmarkt "war ein voller Erfolg"

22. Februar 2005, 12:34
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Andreas Manak, Generalsekretär des Vereins für Anti-Piraterie der Film- und Videobranche (VAP), im E-Mail-Interview

Andreas Manak, Generalsekretär des Vereins für Anti-Piraterie der Film- und Videobranche (VAP) und Rechtsanwalt, im WebStandard E-Mail-Interview zur Razzia am Wiener Naschmarkt, die "Grauzone" bei Raubkopien und das weitere Vorgehen in Österreich im Kampf gegen die illegalen Film-Aktivitäten.

WebStandard: Sehr geehrter Herr Manak, vorab möchten wir Ihnen danken, dass Sie Zeit gefunden haben unsere Fragen zu beantworten. Würden Sie uns zunächst etwa über den Verein für Anti-Piraterie der Film- und Videobranche (VAP) erzählen? Was ist der VAP? Wer steht dahinter? Welche Zielsetzungen und Aufgaben hat der VAP?

Manak: Der VAP vertritt die Interessen der österreichischen Filmwirtschaft im Bereich der Bekämpfung der Filmpiraterie. Im VAP sind die österreichischen Filmverleihunternehmen, die Kinos, der Videovertrieb und die Videotheken vertreten. Der VAP arbeitet eng mit der Motion Pictures Association (MPA) zusammen, die ein weltweites Netz an Anti-Piraterie-Organisationen betreibt.

WebStandard: Erst vor wenigen Tagen begann der VAP seine Schwerpunktaktion gegen Filmpiraterie mit einer Razzia auf dem Wiener Naschmarkt – der WebStandard berichtete – wie erfolgreich war diese Aktion?

Manak: Die Aktion war ein voller Erfolg. Es wurden auf vier Verkaufsständen insgesamt rund 700 Filme beschlagnahmt. Es geht uns aber nicht nur um die Zahl der Filme, die wir beschlagnahmen, mindestens ebenso wichtig ist die Abschreckung für andere potenzielle Händler.

WebStandard: Werden in Zukunft noch schärfere/andere Aktionen folgen? Wie wird gegen den grenznahen Handel mit Raubkopien vorgegangen werden?

Manak: Wir werden ähnliche Aktionen auch auf anderen Flohmärkten durchführen und natürlich auch am Naschmarkt wieder Stichproben machen. Der Handel über die Grenze ist schon viel geringer geworden, seit die Excalibur-City regelmäßig von der tschechischen Anti-Piraterie-Organisation besucht wird. Dort sind die Händler großteils in den Untergrund verschwunden und können dadurch auch weniger Schaden anrichten.

WebStandard: Mit welchen Strafen haben Verkäufer aber auch Käufer von Film-Raubkopien zu rechnen? Wurden entsprechende Fälle in Österreich schon ausjudiziert oder bewegen sich Straftäter und die Justiz in einer "Grauzone"?

Manak: Die vielzitierte "Grauzone" gibt es nur bei Privatkopien, das heißt solchen, die im engen Familien- oder Freundeskreis getauscht werden. In dem Augenblick, wo ein Händler Raubkopien zum Verkauf anbietet (auf einem Flohmarkt, im Internet, in einem Inserat etc), handelt es sich ganz eindeutig um ein gerichtlich strafbares Verhalten, das mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bestraft werden kann. Die Käufer begehen keine Urheberrechtsverletzung, sie sind aber meist durch die schlechte Qualität der Kopien auch gestraft.

WebStandard: Wie kommen die Ermittler den Raubkopierern auf die Spur? – einschlägige Inserate in Zeitungen, Hinweise aus der Szene, strengere Kontrollen auf Flohmärkte?

Manak: Die Ermittlungen sind ganz einfach, weil ein Händler ja irgendwie seine Ware anbieten muss. Wir bekommen viele Hinweise über Angebote in Zeitungen, per email etc. Auf den Flohmärkten sind die Angebot ganz offensichtlich, da braucht man gar nicht viel kontrollieren.

WebStandard: Dürfen Privatpersonen DVD-Kopien von Filmen, die legal erworben wurden, besitzen?

Manak: Das Besitzen von Raubkopien ist nicht strafbar, nur das Herstellen und Verkaufen. Wer eine Privatkopie von einer DVD selbst herstellt, indem er den Kopierschutz CSS durch ein Ripping-Programm umgeht, macht sich strafbar.

WebStandard: Wird die Branche ohne bessere Kopierschutzmechanismen überhaupt dem illegalen Kopieren Herr werden können?

Manak: Es ist purer Zynismus von vielen Piraten, die sagen, die Industrie ist selbst schuld, wenn so viele Raubkopien hergestellt werden. Man sollte nur die Preise senken oder den Kopierschutz verbessern. Dass das illegale Kopieren von Spielfilmen so große Verbreitung erlangt hat, liegt meiner Meinung nach nicht daran, dass der Kopierschutzmechanismus nicht ausreichend ist, sondern daran, dass es zu lange keine Kontrollen und Sanktionen gegeben hat.

WebStandard: Seit einiger Zeit laufen in den österreichischen Kinos Spot gegen das "Screening" – das Abfilmen von Filmen im Kino, die dann im Internet veröffentlicht werden. In einigen Kinos hängen auch entsprechende Plakate. Die Fragen dazu wären nun – Geht diese Initiative von den österreichischen Filmverleihen aus oder kommt diese Entwicklung aus Deutschland bzw. fordern die US-amerikanischen Filmstudios derartige Aktionen?

Manak: Die Kino-Betreiber und die Verleihfirmen sind bei ihrer Anti-Piraterie-Werbung weitgehend autonom. Der VAP hat in Kooperation mit dem Fachverband der Kinos eigene Plakate und Merkblätter entwickelt, es gibt aber auch Kinos, die lieber andere Sujets verwenden. Richtig ist, dass die amerikanischen Produzenten verstärkte Kontrollen von Filmvorführungen fordern, weil leider immer wieder Screeners im Internet als Ausgangsmaterial für Raubkopien auftauchen.

WebStandard: Gab es in Österreich schon Fälle von „Screening“ und entsprechende Anzeigen? – Wenn ja, wie wird mit diese illegalen Aktivitäten und den Täter umgegangen? Was ist das Strafmaß für einen Screener?

Manak: Das Aufnehmen von Film und/oder Ton in einem Kinosaal ist natürlich eine verbotene Vervielfältigung. Die Täter, die es auch in Österreich gibt, werden nach dem Urheberrechtsgesetz angeklagt. Wenn keine gewerbliche Tätigkeit nachgewiesen werden kann, beträgt das Strafmaß bis zu sechs Monaten Gefängnis.

WebStandard: Zeigen diese Spots die erhoffte Wirkung? Oder haben Kinobesucher auch schon ihren Unmut bekundet?

Manak: Die Wirkung der Spots kann man nicht isoliert betrachten. Wenn es gelingt, den Markt für Raubkopien einzudämmen, dann ist dies das Ergebnis von vielfältigen Maßnahmen. Es beginnt mit der Aufklärung über die Strafbarkeit, geht über die erwähnten Plakate und Trailer bis hin zur effektiven Strafverfolgung der Täter. Kinobesucher, die sich durch Anti-Piraterie-Spots oder durch Sicherheitskontrollen beim Saaleingang belästigt fühlen, bitte ich zu verstehen, dass damit nicht jeder Kunde zum Piraten gestempelt wird. Auch am Flughafen und im Supermarkt gibt es Kontrollen, ohne dass jeder als Terrorist oder Ladendieb angesehen wird.

WebStandard: Zu Beginn der Aktion war ein Sprecher aus dem Off zu hören, der dazu aufforderte, dass verdächtige Aktionen dem Kinopersonal zumelden sind. Dies scheint nun geändert worden zu sein – nun ist nur noch eine Einblendung ohne Sprache zu hören und eine deutsche Mailadresse angegeben. War der erste Spot nicht erfolgreich oder wurde die Strategie geändert?

Manak: Derzeit werden verschiedene Trailer verwendet, je nach Kinobetreiber und Verleihfirma. Wir werden jedoch in den nächsten Wochen eine einheitliche Strategie umsetzen.

WebStandard: Bedeutet das Screening tatsächlich eine Gefahr für das Kino? Oder sehen die Filmvertriebe das DVD-Geschäft dahinschmelzen?

Manak: Die meisten Piraten bieten die aktuellen Kinofilme genauso wie alte Blockbuster an. Die Raubkopien gefährden daher das Geschäft von Kinos UND DVD-Vertrieb.

Wir danken Herrn Manak für das Interview. (grex)

  • Andreas Manak, Generalsekretär des Vereins für Anti-Piraterie der Film- und Videobranche (VAP)
    foto: manak

    Andreas Manak, Generalsekretär des Vereins für Anti-Piraterie der Film- und Videobranche (VAP)

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