Betriebe sehen Emissionshandel positiv

7. April 2004, 13:59
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Studie: Emissionshandel als Chance auf Gewinnerzielung - Anstieg der Produktpreise wird befürchtet

Wien - Unternehmen vor allem des Energiesektors gehen davon aus, dass sich der EU-Emissionshandel positiv auf ihren Geschäftsverlauf auswirken wird. Dies ist das wesentliche Ergebnis einer groß angelegten Emissionshandelsstudie in Österreich, Deutschland und der Schweiz, die die Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton am Dienstag in Wien vorstellte. Danach überwiegen diejenigen Betriebe, die den Emissionshandels als "gut für ihr Unternehmen" einschätzen. In der Folge rechnet ein Großteil von ihnen aber damit, dass sich "die Produkte merklich verteuern" werden.

Produktion merklich teurer

Mit 41 Prozent sei die überwiegende Anzahl der Unternehmen der Meinung, dass der Emissionshandel "gut für ihr Unternehmen" ist. 22 Prozent lehnten diese Aussage ab. Mit 73 Prozent befürchtet hingegen der Großteil von ihnen, dass sich die Produkte in der Folge merklich verteuern werden. Nur 6 Prozent erwarteten keinen Preisanstieg. Auch die Auswirkungen auf die Branche würden nicht einhellig als nachteilig betrachtet. 32 Prozent der befragten Unternehmen gehen laut Studie davon aus, dass die Branche geschwächt wird. Genauso viele Unternehmen lehnten diese Einschätzung hingegen ab.

Gewinne durch den Handel

Laut Studie sehen die Unternehmen im Emissionshandel eine Möglichkeit, Gewinne durch den Handel zu erzielen. 38 Prozent der befragten Unternehmen geben dies als Grund für die Aufnahme des Handels an. Dabei handele sich vor allem um Betriebe mit relativ geringen Umsätzen. Große Unternehmen seien hingegen skeptischer, heißt es in der Studie. Zudem geben 44 Prozent der Betriebe an, dass der Umweltschutz sie motiviere, den Handel aufzunehmen.

Die Mehrheit der Befragten (59 Prozent) sehen die Vorteile des Emissionshandels darin, Investitionen auf Grund der marktwirtschaftlichen Ausrichtung des Instrumentes effizient steuern zu können. Die Möglichkeit, durch den Emissionshandel neue Geschäftsfelder zu erschließen, sei für 46 Prozent ein wichtiges Argument, heißt es in der Studie. Dies könne bedeuten, am Handel zur Gewinnerzielung teilzunehmen sowie Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Handel anzubieten.

Risiko: Rechtliche Unsicherheit

Als Risiken sehen die Unternehmen vor allem die rechtlichen Untersicherheiten. Hinzu komme die Sorge um genügend Handelspartner und Liquidität auf dem heimischen Markt, die 43 Prozent bzw. 66 Prozent teilen. Österreichische Unternehmen würden deshalb vermehrt auf den grenzüberschreitenden Handel mit ausländischen Partnern angewiesen sein, sagte der Vize Präsident von Booz Allen Hamilton, Karlheinz Bozem. Die rechtliche Unsicherheit habe vor allem dazu geführt, dass nur wenige Unternehmen die eigene Marktposition einschätzen könnten. 31 Prozent der Befragten erwarten, dass sie zu den Nettoverkäufern von Emissionszertifikaten gehören werden. 16 Prozent sehen sich als künftige Nettokäufer.

Auf Grund der hiesigen Diskussion um die Zuteilung der Zertifikate lasse sich erwarten, dass in Zukunft ausstoßberechtigungen eher knapp vorhanden sein werden. "Die heimischen Unternehmen werden daher bei Wachstum als Käufer am Markt auftreten", so Bozem weiter. Er geht auf Basis der Marktstudie davon aus, dass die Preise für eine Tonne Kohlendioxid zu Beginn des Handels zwischen fünf und 20 Euro liegen werden. (APA)

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