Deutsche Musikindustrie mit Rekordminus 2003

7. April 2004, 13:38
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Anzeigen gegen "Tauschbörsen" - Umsatz bracht mit 19,8 Prozent so stark wie nie zuvor ein - 2004 weiter sinkende Umsätze erwartet

Die deutsche Musikindustrie hat im vergangenen Jahr wegen massenhafter CD-Kopien und der Konsumflaute drastische Einbußen erlitten und geht nun rechtlich gegen illegale Internet-Anbieter vor. Der Umsatz brach mit 19,8 Prozent so stark wie nie zuvor ein und lag noch bei 1,65 Mrd. Euro, wie die Phonoverbände am Dienstag in Berlin mitteilten. Der Absatz von Tonträgern sank deutlich auf 183,2 Mio. Stück. Zugleich stieg die Zahl der mit Musik bespielten CD-Rohlinge laut einer Studie um ein Viertel auf 325 Millionen. Zur Eindämmung verbotener Online-"Tauschbörsen" greift die Branche ab sofort zu Strafanzeigen.

"Es kann jeden treffen, der Musik illegal anbietet"

"Es kann jeden treffen, der Musik illegal anbietet", sagte der Vorsitzende der Phonoverbände, Gerd Gebhardt. Nach intensiver Aufklärung und dem Start mehrerer legaler Angebote zum Herunterladen von Songs sei das rechtliche Vorgehen nun unvermeidbar. In einer ersten Welle seien 68 Strafanzeigen erstattet worden. Hintergrund sei, dass die Internetprovider der Staatsanwaltschaft Angaben zur Identität illegal agierender Musikanbieter machen müssten. Ziel der Musikwirtschaft sei dann, bei diesen Schadenersatz geltend zu machen. Auch in Dänemark und Italien gehe die Branche so vor. In Deutschland wurden zuletzt 600 Mio. Songs illegal heruntergeladen.

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Auch für 2004 rechnet die Branche nach dem Geschäft der ersten Monate mit weiter sinkenden Umsätzen. Es sei aber darauf zu hoffen, dass sich der Trend verlangsame. Vom drastischen Einbruch im vergangenen Jahr waren vor allem Singles betroffen, deren Absatz von 34,7 Mio. auf 23,8 Mio. Stück zurückging. Lichtblick waren dagegen Musik-DVDs, deren Absatz sich auf acht Mio. Stück verdoppelte. Deutsche Künstler legten enorm zu und überholten in den Single-Charts mit einem Anteil von 54,7 Prozent (Vorjahr: 42,7 Prozent) erstmals die internationale Konkurrenz. Dies zeigte sich auch an den erfolgreichsten Titeln. Bei Singles und Alben lagen CDs der TV-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" auf Platz eins. (APA)

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