Nachhilfe: Lehrer sind schuld

13. April 2004, 18:43
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Nachhilfeguru relativiert: Größeres Problem sei mangelnder Fleiß und auch Überforderung der Schüler

Wien – Etwa die Hälfte aller AHS-Schüler in Österreich hat keinerlei Probleme, selbständig und erfolgreich ihr Klassenziel zu erreichen. Die verbleibende Hälfte jedoch meistert die Schule nur mit Unterstützung, sowohl durch private Lernhilfe, als auch mittels bezahlter Nachhilfe.

Zu diesem Ergebnis kam die eben erschienene Studie über den österreichischen Nachhilfemarkt, die vom Nachhilfeinstitut "LernQuadrat" und dem Verband der Elternvereine unter 6000 Eltern und Oberstufenschülern durchgeführt wurde. Hauptproblemfächer sind Mathematik mit 62 Prozent und Englisch mit 50 Prozent der Nachhilfeschüler. Doch auch in Deutsch (19 Prozent), Latein und Französisch wird verstärkt Unterstützung in Anspruch genommen.

"Eigentlich" erklärt Konrad Zimmermann, Geschäftsführer des Instituts LernQuadrat, "sollte Nachhilfe überhaupt nicht nötig sein." Doch besonders die professionelle Nachhilfe boomt wie nie. Gründe für Lernschwächen sehen die im Rahmen der Studie befragten Eltern größtenteils beim Lehrer, der den Stoff nicht gut genug vermitteln könne, oder aber die Schüler überfordere. Hier hieße es schnell "der Lehrer ist schuld", meint Zimmermann zum SchülerStandard.

Wesentlich trage auch mangelnder Fleiß der Schüler zum verstärkten Bedarf an Nachhilfe bei. Ein Punkt dem Bundesschulsprecherin Romana Brait nicht zustimmen kann. "Wenn 50 Prozent aller AHS- Schüler Nachhilfe nehmen müssen, so liegt das wohl kaum an den Schülern selbst" erklärt sie und kritisiert den Staat, der die Verantwortung für die Bildung immer mehr den Eltern zuschiebe. "Viele Eltern können sich aber einfach keine Nachhilfe leisten" meint sie und beklagt mangelnden Förderunterricht in den Schulen. Denn: "Schwächere Schüler dürfen nicht alleine gelassen werden."

Kinder sind Menschen

Zu wenig Rücksicht würden Eltern auch auf die jeweilige Tagesverfassung der Kinder nehmen. "Das wird unterschätzt, aber Kinder sind schließlich auch nur Menschen" meint Konrad Zimmermann. Und als solche hätten sie eben Schwierigkeiten, etwa eine Deutschschularbeit während eines Heuschnupfenanfalls zu schreiben, oder mit Kopf- oder Bauchschmerzen dem Unterricht aufmerksam zu folgen.

Die in diesem Schuljahr erfolgten Stundenkürzungen zieht Zimmermann als Auslöser für die benötigte Nachhilfe noch nicht in Betracht. Die kämen wohl erst im Herbst zur Geltung, wenn die selbe Studie über BHS-Schüler erstellt wird. Ein wenig übergangen wurde auch die Bedeutung einer intakten Familiensituation. Nur drei Prozent der Befragten gaben die Familie als Auslöser für Lernschwäche an, nach Zimmermanns Erfahrungen müsste dieser Prozentsatz jedoch weit höher liegen. Er selbst rechnet hierbei mit gut 30 Prozent aller Nachhilfekonsumenten. (siha)

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    Hauptproblemfächer sind Mathematik und Englisch.

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