Deutsche Tauschbörsen-Nutzer werden verklagt

8. April 2004, 13:21
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Musikindustrie und Branchenvertreter haben entsprechende Schritte bereits eingeleitet - In Österreich wird noch abgewartet

Tauschbörsen-Nutzer in Deutschland dürfen mit harten Zeiten rechnene - nach einer Ankündigung des Vorsitzenden der deutschen Phonoverbände IFPI,Gerd Gebhardt, wurden bereits juristische Schritte eingeleitet.

68 Strafanzeigen

Insgesamt 68 Strafanzeigen soll die Hamburger Anwaltskanzlei Rasch im Auftrag der IFPI bereits eingereicht haben, so Gebhardt. Die Klagen wurden vorerst gegen Unbekannt eingebracht. Gebhardt äußerte sich zu dieser Vorgehensweise: "Die Phonowirtschaft kann nicht mehr tatenlos zusehen. Wir gehen deshalb jetzt auch gegen diese illegalen Anbieter mit rechtlichen Schritten vor". Die beklagten Personen sollen urheberrechtlich geschützte Musik in einer erheblichen Menge ins Internet gestellt sowie zum Download angeboten haben. Ähnliche Vorgehen wie in Deutschland gibt es derzeit - neben den USA - auch in Italien, Dänemark und Kanada.

In Österreich wird abgewartet

Die IFPI Österreich hat das gerichtliche Vorgehen gegen P2P-Nutzer laut ersten Meldungen begrüßt. Noch zeigt man sich in Österreich abwartend, die Informations- und Aufklärungskampagnen werden fortgesetzt, allerdings werden auch rechtliche Schritte nicht ausgeschlossen.

Unbekannt - oder doch nicht?

Die IFPI erstattete Anzeige gegen Unbekannt, doch soll die Ausforschung der Straftäter ein Leichtes sein. Die Anbieter der illegalen Inhalte seien in Tauschbörsen über ihre IP-Nummern von ihren Internetprovidern identifizierbar, so die Meinung der IFPI. Da die Provider die Identitäten der Rechtsverletzer nicht an die Rechteinhaber weitergeben, hat die IFPI die Strafanzeigen zunächst gegen Unbekannt erstattet. Als nächsten Schritt forderte die Staatsanwaltschaft die Provider auf, die Informationen herauszugeben und hat ihrerseits Strafverfahren eingeleitet. Die IFPI kündigte an, dass sobald die Identitäten der Urheberrechtsverletzer bekannt seien, Zivilverfahren eingeleitet und Schadensersatz gefordert werden würde - in welchem Umfang ist derzeit noch nicht bekannt.

26 Prozent Anstieg

Im Jahr 2003 haben in Deutschland 31,4 Mio. Musikliebhaber insgesamt 325 Mio. Rohlinge mit Musik bespielt. Im Vergleich zum Vorjahr (259 Mio.) bedeutet das einen Anstieg von 26 Prozent. Dabei bespielte im Durchschnitt jeder Deutsche 15 Rohlinge mit Musik (Vorjahr: 12, Plus 25 Prozent). Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsunternehmen GfK im Auftrag der deutschen Phonoverbände.

602 Millionen Lieder

12,7 Mio. Personen (Plus 59,5 Prozent) haben im Vorjahr Musik auch für nicht im Haushalt lebende Personen auf CD-Rohlinge kopiert. 602 Mio. Songs wurden in ganz Deutschland aus illegalen Quellen im Internet heruntergeladen. Die Anzahl stagnierte damit trotz des gestiegenen Unrechtsbewusstseins auf sehr hohem Niveau (2002: 622 Mio.). Besonders häufig wurden Neuerscheinungen "getauscht". Einzig erfreulich für die deutsche Musikindustrie ist der Absatz von Musik-DVDs, der sich im letzten Jahr auf rund acht Mio. Stück verdoppelt hat. Alle anderen Formate haben zum Teil dramatische Rückgänge zu verzeichnen. Besonders stark ist der Absatz von Singles gesunken, der in enormen Maß von illegalen Musikangeboten im Internet betroffen ist.

"De Umsatzrückgang ist erschreckend"

"Der Umsatzrückgang der Phonowirtschaft im Jahr 2003 von rund 20 Prozent ist erschreckend. Musik wird immer mehr gehört, aber immer weniger gekauft. Deutsche Produktionen sind erfolgreicher als je zuvor, trotzdem verliert die Musikwirtschaft Kunden. Kostenlose Musikkopien und illegale Internetangebote sind dabei unsere ärgsten Gegner", poltert der Vorsitzende der deutschen Phonoverbände Gerd Gebhardt. "Das Internet ist nicht anonym", warnte Gebhardt vor Verstößen gegen das Urheberrecht. Die Hersteller wollten deutlich machen, dass Angebote in illegalen Tauschbörsen äußerst schmerzhaft werden könnten. Die Branche schätzt, dass 2003 allein in Deutschland 600 Millionen Titel unerlaubt aus dem Internet heruntergeladen wurden. Die Zahl der Nutzer der Tauschbörsen sei um 14 Prozent auf 7,3 Millionen gestiegen.

in der Statistik ablesbar

Die Musikwirtschaft kann die Folgen des leichten Zugangs zu Raubkopien in der Statistik ablesen. Der Umsatz ging im vergangenen Jahr um knapp 20 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro zurück. Gut 183 Millionen Tonträger wurden verkauft, nach 224 Millionen im Jahr zuvor. Aufgrund der illegalen Tauschbörsen seien 1000 Stellen in der Musikindustrie fortgefallen, erläuterte Gebhardt, der weitere Entlassungen erwartet. Im laufenden Jahr rechnet die Branche mit moderat rückläufigen Umsätzen.

Je nach Sparte unterschiedlich

Die Entwicklung verläuft je nach Sparte unterschiedlich. DVD-Musikvideos erleben einen Boom. Der Absatz hat sich im vergangenen Jahr mit 7,9 Millionen Stück um 133 Prozent erhöht. Dagegen gingen die CD-Verkäufe um 33 Millionen auf 133 Millionen zurück. Besonders drastisch brach der Verkauf von Singles ein. Deutsche Künstler waren laut Verband 2003 erfolgreicher als je zuvor. Ihr Anteil an den Album-Charts sei um drei Prozentpunkte auf 29,5 Prozent gestiegen, in den Single-Charts stellte die Deutschen mit einem Anteil von fast 55 Prozent erstmals mehr als die Hälfte der Künstler.(Reuters/red/pte)

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