Marginalienwissenschaft und seriöse Kritik

6. April 2004, 19:38
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monochrom: zweite ordnung muss sein, # 15-23 edition monochrom, 2004 436 Seiten, 15 Euro - Die aktuelle Zeitschrift

Monochrom ist durchaus eine Wien-Bamberger Kunstneigungsgruppe mit diversen Volontariaten in zahlreichen Realitäten: internationale Kunstszene, Apfelsortenzucht, Powerpoint-Operetten, Feldgottesdienste, Beweisführungen, Schirmherrschaften, soziale Praxis, Game- und Schämshows, Theorie, Internet, Dübel und Schnittchen. V. a. das Sammeln, Gruppieren, Registrieren und Befragen (Befreien?) von alltagskulturellen Vernarbungen ist monochrom Passion und quasi-ontologischer Auftrag."

So weit ein der Verwirrung gut zuarbeitender Auszug aus der manifesten Selbstbeschreibung auf der Homepage www.monochrom.at.

Monochrom, so nennt sich eine Verbindung aus mehr oder weniger Gleichgesinnten mit dadaistisch-subversivem, quergedacht (pseudo-)wissenschaftlichem Geltungsdrang, der sich nun in dem Heft monochrom, zweite ordnung muss sein, # 15-23 massiv Richtung ahnungslose Öffentlichkeit entlädt.

Denn "Heft" ist eine zarte Untertreibung. Das in Fanzine-Ästhetik zusammenkopierte und gedruckte Werk steht im Umfang dem Grazer Telefonbuch in nichts nach - ist allerdings ungleich unterhaltsamer: Von makabren Bildergeschichten in Struwwelpeter-Tradition (etwa: "Warum Eltern onanierende Kinder nicht bestrafen sollten") über vereinnahmte Filmtheorie bis zur tatsächlich seriösen Kritik und Marginalienwissenschaft ist das Heft prall gefüllt.

Aber keine Angst: Man kann und muss nicht alle Texte dieses Konvoluts verstehen. Allein das Wissen um die Existenz dieses den mannigfaltigen Absonderlichkeiten des Lebens frönenden Grüppchens erfreut bereits: Die klassische Häusellektüre - im besten Sinn des Wortes! (Karl Fluch/DER STANDARD; Printausgabe, 30.3.2004)

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