Interne SP-Debatte wird heftiger

1. April 2004, 15:11
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Broukal über Kritik im STANDARD "sehr verwundert" - Bures wirft Parteikritikern "persönliche Eitelkeiten vor"

Wien - Die öffentlich ausgetragene interne Debatte der SPÖ über die Kommunikation wird immer heftiger. Die rot-blaue Zusammenarbeit in Kärnten hatte ja zu zahlreichen Irritationen innerhalb der Sozialdemokraten geführt, vor allem weil SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer diesen Pakt mit der FP-Kärnten zunächst verteidigte und dann versuchte, sich davon etwas zu distanzieren, als er meinte, auf Bundesebene schließe er eine Koalition mit den Freiheitlichen aus. Entgegen der früheren Geschlossenheit der SPÖ zumindest nach außen gab es diesmal zahlreiche Genossen, die mit ihrer Kritik nicht hinter dem Berg hielten. SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures warf in der "Presse" diesen Parteikritikern nun "persönliche Eitelkeiten" vor.

Keine Namen

Dabei wollte Bures aber keine Namen nennen. Befragt, ob sie damit Wissenschaftssprecher Josef Broukal meine, der sich selbst als potenzieller SP-Kommunikationschef ins Spiel gebracht hätte, sagte Bures: "Ich meine niemanden." Sie konzedierte zwar "schwere Kommunikationsfehler", doch lägen diese "eher bei denen, die in der Öffentlichkeit zu diesem Bild beitragen". Wer statt in Sitzungen oder Gremien via Medien Kritik übe, schade der Partei. Ob Gusenbauer schwer zu vermarkten und seine Positionen schwer zu kommunzieren seien, verneinte Bures. Sie verwies auf die hohen Sympathiewerte Gusenbauers.

"Sicher kein Kommunikationsproblem"

Im "Kurier" meint Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos, der auch für Kommunikation zuständig ist, "es gibt sicher kein Kommunikationsproblem". Die unglückliche Entwicklung, trotz Wahlsiegen ins Gerede zu kommen, sei durch Interviews wie das des Wolfsberger Bürgermeisters Gerhard Seifried (SPÖ) ausgelöst worden (Kritik am Kärntner Vorstand). Und die parteiinterne Kritik? "Ich bin verwundert, wer sich aller zu Wort meldet."

"Problem, Hoppala"

Zu Wort gemeldet hatten sich am Wochenende die Leiterin der SPÖ-Zukunftswerkstätte, Gertraud Knoll ("Die SPÖ hat ein Kommunikationsproblem, da braucht man nicht herumreden"), und der Wiener Bürgermeister Michael Häupl ("Das Hoppala war eher die Kommunikation auf Bundesebene"). Darabos hat mit Häupl ein "Vier-Augen-Gespräch geführt, und er zielt nicht auf jemand bestimmten".

Knoll: "Schlimme Bildoptik"

Knoll bekräftigte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Gusenbauer am Dienstag ihre Kritik an Blau-Rot in Kärnten: "Ich habe mit Kärnten keine Freude gehabt, ich habe die Bildoptik schlimm gefunden." Am Wochenende hatte Knoll im Zusammenhang mit den internen Debatten über die Klagenfurter Koalition von einem "Kommunikationsproblem" der SPÖ gesprochen. Das angekündigte Gespräch mit Gusenbauer zu diesem Thema habe sie bereits geführt, so Knoll. Nun sei dazu alles gesagt.

Broukal "sehr verwundert"

Broukal wiederum meinte im "Kurier": "Ich will zu diesem Thema nix mehr sagen". Allerdings habe er sich doch "sehr gewundert" über einen ganzseitigen Kommentar der SPÖ-Kommunikationschefin Katharina Krawagna-Pfeifer im STANDARD. Darin kritisiert Krawagna-Pfeifer unter dem Titel "Eitelkeitspirouetten statt Politik" das "Gefasel" von "Großkommunikatoren", die "bereitwillig ihre Laptops anwerfen" und "ihren journalistischen Ex-Kollegen Vergurkung zuraunen". Damit auch sicher ist, wer gemeint ist: "Es fällt auf, dass dieses Verhalten besonders stark bei anstaltsgeschulten Männern des öffentlich-rechtlichen Funks ausgeprägt ist", die sich bloß drei Mal täglich im Auge der Kamera sehen wollen.

Rundum-Verwunderung

Broukal, einst für den Krawagna-Job im Gespräch und von Häupl dafür mehrfach favorisiert, wundert sich. Darabos wiederum wundert sich über Broukal: "Er hat Erfahrungen im ORF. Aber dass Fragen der Kommunikationssteuerung, der Strategie in seinen Bereich fallen, schließe ich aus." (APA)

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