Deutsche Gewerkschaft droht mit Streiks

6. April 2004, 11:17
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Streit um Verlängerung der Arbeitszeit

Berlin - Die Forderung an die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes in Deutschland, sie sollen länger arbeiten, ruft die Gewerkschaften auf den Plan. "Im Zweifelsfall werden wir auch dagegen kämpfen", sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer. Es könne nicht sein, dass immer wieder öffentlich Bedienstete zur Sanierung der Staatskassen herangezogen würden.

"Hunderttausend Stellen vernichten"

In einem Interview stellte Sommer sogar die Rechnung auf, dass "die Verlängerung der Arbeitszeit allein im öffentlichen Dienst mehr als hunderttausend Stellen vernichten würde". Gleichzeitig schränkte er ein: In Ausnahmefällen könne allerdings "zeitlich befristete Mehrarbeit ein Ausweg aus der Krise eines Unternehmens sein".

Auch der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder schaltete sich am Montag in die Debatte ein. Er sprach sich gegen eine pauschale Verlängerung der Arbeitszeit aus und forderte stattdessen mehr Flexibilität der Tarifparteien. "Was wir an Stelle dessen brauchen, ist ein Mehr an Flexibilität, ohne die zentrale Verhandlungsmacht der deutschen Gewerkschaften und ihrer Pendants, der Arbeitgeber, zu beschneiden."

Arbeitszeitverträge gekündigt

Die Diskussion wurde von den Regierungschefs der Länder ausgelöst, die Ende vergangener Woche die Kündigung der Arbeitszeitverträge für die westdeutschen Angestellten im öffentlichen Dienst beschlossen hatten.

Ziel ist die Erhöhung der Arbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden pro Woche, wie es bei Beamten üblich ist. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) forderte generell eine 42-Stunden-Woche.

Der öffentliche Dienst könne damit Vorbild für die Wirtschaft sein. Diesen Vorstoß kritisierte aber auch der Arbeitnehmerflügel der CDU scharf. (DER STANDARD Printausgabe, 30.03.2004, Alexandra Föderl-Schmid)

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