Autobahn ohne Anbindung

14. April 2004, 19:22
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Ab Mai fallen die Grenzbalken zwischen Österreich, Tschechien und der Slowakei – Im Straßenbau merkt man das nicht

Ab 1. Mai fallen in weiten Bereichen die Grenzbalken zwischen Österreich, Tschechien und der Slowakei - doch im Straßenbau merkt man das nicht. Im Gegenteil, wichtigen Projekten wie Brücken sowie der Autobahn Wien-Brünn drohen aus Prag und Bratislava Verzögerungen.

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St. Pölten/Prag/Bratislava - Die EU-Erweiterung schreitet rascher voran als der Straßen- und Brückenbau zwischen Österreich und den neuen, benachbarten EU-Mitgliedstaaten, weiß der oberste niederösterreichische Verkehrsplaner, Friedrich Zibuschka. Mehr noch, der zeitliche Abstand drohe größer zu werden.

So sei etwa mit Tschechien bis dato vereinbart gewesen, bis 2009 eine durchgängige, vierspurige Straßenverbindung zwischen Wien und Brünn fertig zu stellen – über die derzeit in Planung befindliche Nordautobahn A5 und die Anbindung B52 in Tschechien. Doch vor einigen Wochen habe die tschechische Seite einen Rückzieher gemacht: Der derzeit zweispurige Straßenabschnitt zwischen Pohorelice und Mikulov (bei Drasenhofen) könne nicht vor 2011 autobahnkonform adaptiert werden.

Vierspurige Schnellstraße

Das, obwohl von Brünn bis Pohorelice schon eine vierspurige Schnellstraße besteht, wie der Projektleiter für die "Weinviertelautobahn" A5, Rudolf Schwarz, betont: "Es geht um nicht mehr als 25 Kilometer Autobahnausbau". Die Verzögerungen in Tschechien, so befürchtet er, könnten auch hemmend auf die Suche nach privaten Investoren in Österreich für den Bau und den Betrieb der A5 samt Lobauautobahn und Wienumfahrung (S1 und A22) wirken.

Finanzierungsprobleme

In Prag weist man auf Finanzierungsprobleme hin. "Die Förderungen der EU für den Infrastrukturausbau haben eine andere Laufzeit als ursprünglich angenommen", erläutert Sara Neubauer, stellvertretende österreichische Handelsdelegierte. Dabei sei die B52 Richtung Österreich "eine wichtige Verbindung für das bislang isolierte Industriegebiet bei Ostravà".

Verzögerungen gibt es aber auch beim bilateralen Brückenbau in Hohenau und Marchegg an der March in Richtung Slowakei: "Die Brücke bei Hohenau sollte ursprünglich bis zum Erweiterungstermin am 1.Mai 2004 fertig sein. Nun haben uns die Slowaken mitgeteilt, dass sie die Arbeiten erst bis Ende des Jahres abschließen können", sagt Helmut Kirchner von der niederösterreichischen Landesstraßenbaudirektion. (Irene Brickner, Der Standard, Printausgabe, 30.3.2004)

  • Wichtige Projekte, wie Brücken sowie der Autobahn Wien–Brünn drohen aus Prag und Bratislava Verzögerungen.
    foto: photodisc

    Wichtige Projekte, wie Brücken sowie der Autobahn Wien–Brünn drohen aus Prag und Bratislava Verzögerungen.

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