Auch im Baseball grüßt das Dopingtier

2. April 2004, 10:27
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Die Saison beginnt, die Stars sehen sich unter Verdacht

Tokio/New York - Da helfen nicht einmal mehr die erfahrensten Spin-Doktoren. Am Dienstag eröffnen die New York Yankees und die Tampa Bay Devil Rays im Rahmen einer transkontinentalen PR-Aktion in Tokio die Baseballsaison. Daheim in den Staaten indes reden die Leute im Zusammenhang mit Baseball derzeit nur über ein Thema: Doping.

Nach Gerüchten um die Verwicklung etlicher Profis in den Skandal um die von der Firma Balco hergestellte Designerdroge THG verbot die Major League Baseball (MLB) in einem den US-Medien zugespielten Papier ihren Spielern jeglichen Kommentar zum Thema. Seit eine von Stars wie Barry Bonds (San Francisco Giants), Gary Sheffield und Jason Giambi (Yankees) angeführte Reihe von Spielern im Verdacht steht, Steroide oder natürliche Wachstumshormone konsumiert zu haben, ist Feuer am Dach der Ballparks. Weil sich die Spielergewerkschaft weigert, das Thema Doping offensiv anzugehen - nach dem bis 2007 gültigen Rahmenvertrag dürfen die Stars nur einmal pro Jahr getestet werden, eine Sperre ist erst nach dem fünften Vergehen möglich -, wird vorerst nicht viel anders werden. Dick Pound, Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur, nennt das Verhalten der MLB einen "Schlag ins Gesicht jedes sauberen Sportlers".

Während so jene sieben Prozent der MLB-Profis, die in einer anonymen Umfrage im letzten Jahr zugegeben haben zu dopen, keine Angst haben müssen, dürfte Barry Bonds (658 Homeruns) spätestens dann Imageprobleme bekommen, wenn er den von Hank Aaron gehaltenen Rekord (755 Homeruns) angreift. Der Superstar aus Frisco gibt sich schon jetzt dünnhäutig: Als ihn kürzlich ein Reporter nach der Legitimität seiner Leistung fragte, wies ihn Bonds wortlos aus der Kabine. (sid, sjk - DER STANDARD PRINTAUSGABE 30.3. 2004)

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