Wie man ein ganzes Landesstudio einspart

12. April 2004, 19:22
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Wolfgang Burtscher, Sprecher der ORF-Länderchefs, zum Diätprogramm 2001 bis 2005

Ein knappes Dutzend Berater von McKinsey arbeitet sich durch die ORF-Zentrale. Sie fahnden für 500.000 Euro nach zehn bis 15 Millionen Euro Sparpotenzial. Laut Management also zehn bis 15 Prozent der Kosten – Programmabteilungen und Information ausgenommen.

Die Landesstudios haben ein ähnliches Diätprogramm: Von 2001 bis 2005 sparen sie wie berichtet rund 15 Millionen Euro ein. Das entspricht laut ORF dem Jahresaufwand für ein ganzes Landesstudio.

An welchen Zonen magerten die neun Länder-ORFs im Fünfjahresplan ab? Wolfgang Burtscher führt nicht nur das Studio Vorarlberg, er spricht auch für die übrigen Landesdirektoren.

Trotzdem greift er naturgemäß zum eigenen Haus, um Einsparungen zu illustrieren. In zwei Tagen zum Beispiel beginnt die Dornbirner Messe. Statt mit einem eigenen repräsentativen Stand ist der ORF Vorarlberg dort nur mit einer Koje im Außenbereich und zwei Mitarbeitern vertreten. Spart, der Direktor denkt ebenfalls noch in alter Währung: "400.000 Schilling", also 29.000 Euro. "Drastisch reduziert" hat sein Studio zudem andere Veranstaltungen, "zum Teil deutlich" zurückgefahren das Marketing.

Programmleistung reduziert

Reduziert wurde aber auch die Programmleistung: Manche Kultursendung hat Burtscher gestrichen, zum Beispiel eine Stunde am frühen Sonntagabend. Die alleine spart weitere 22.000 bis 29.000 Euro pro Jahr. Natürlich bei weiterhin "hohem Anteil an öffentlich-rechtlichen Programmen".

Gleich 51.000 bis 58.000 Euro jährlich spart ein nicht nachbesetzter ORF-Dienstnehmer, sagt der Direktor: Das Betätigungsfeld des pensionierten E-Musik-Chefs im Landesstudio zum Beispiel betreut nun der örtliche Kulturchef mit.

Solisten mit der Kamera ohne Tonmeister statt Zweimannteams sorgten auf dem Küniglberg für erbitterten Widerstand. In den ORF-Dependancen sind sie laut Burtscher für aktuelle Beiträge üblich.

Elf Millionen Euro kostete Vorarlberg den ORF im Vorjahr. Wieviel weniger es werden, kann Burtscher nicht sagen: Mit dem neuen ORF-Kollektivvertrag wurden zu den bestehenden 74 noch 51 freie Mitarbeiter angestellt (Wegen Teilzeitverträgen entsprechen diese 51 Jobs 43 Vollzeitangestellten).

Ob das über das Gesamtunternehmen gerechnet kostenneutral bleibt wie geplant, "vermag ich nicht zu beurteilen", sagt Burtscher. Das gesparte Landessstudio war noch ohne Anstellung der Freien – insgesamt im ORF 1247 – kalkuliert. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 30.3.2004)

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