EU-Erweiterung: Zug noch nicht abgefahren

22. Februar 2005, 20:11
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David Baverez, Fondsmanager des Fidelity European Aggressive Fund, setzt weiterhin auf Osteuropa - In Spanien muss sich die neue Regierung dagegen erst beweisen

Der gebürtige Franzose David Baverez ist seit Mai 2001 Fondsmanager des Fidelity European Aggressive Fund. Seitdem schaffte er es, mit einer Gesamtperformance von -7,5 Prozent klar den MSCI Europe (-27,7 Prozent) zu schlagen. Besonders deutlich wird der Vorsprung, sieht man sich den Fonds in der Aufwärtsbewegung seit Mitte März 2003 an: +70 vs. +46 Prozent lautet hier das Match. Damit liegt er an hervorragender zweiter Stelle aller 196 in Österreich zum Vertrieb zugelassenen europäischen Aktienfonds, geschlagen nur von Elisabeth Weisenhorn vom Weisenhorn Europa mit +105 Prozent. Der Fidelity European Growth von Graham Clapp liegt im selben Zeitraum bei +55 Prozent. Und der Erfolg hat sich auch positiv auf das Fondsvolumen ausgewirkt: Im selben Zeitraum stieg es um über 300 Prozent von 127 auf 531 Millionen Euro an. e-fundresearch sprach mit Baverez über die Gründe dieses Erfolges, seine Einstellung zu Risiko und warum er den Index hasst:

Baverez profitiert von Veränderungen

e-fundresearch: Herr Baverez, auf welche Art versuchen Sie mit den European Aggressive Fund Outperformance zu generieren?

David Baverez: Ich versuche, von stattfindenden Veränderungen zu profitieren. Dazu zähle ich interne Veränderungen, wie beispielsweise einen Managementwechsel oder neue Strategien, aber auch externe Veränderungen, die das Wettbewerbsumfeld betreffen. Auch achte ich auf Veränderungen beim Anlegerverhalten. Finde ich solche Veränderungen, versuche ich zu quantifizieren, wie sich das auf den jeweiligen Aktienkurs auswirkt und treffe dann konkrete Investmententscheidungen.

Spanien: Neue Regierung muss sich erst beweisen

e-fundresearch: Welche großen Veränderungen finden zur Zeit denn statt, und wie versuchen Sie im Fonds davon zu profitieren?

David Baverez: Wir leben in interessanten Zeiten denn es finden aktuell sehr viele Veränderungen statt. Eine wichtige davon ist das Konsumverhalten: Letztes Jahr war es unbedingt notwendig, in konsumsensitiven Werten zu investieren, das hat sich nun geändert. Das Jahr 2004 steht ganz im Zeichen derjenigen Branchen, die von Unternehmensausgaben abhängig sind. Auch finden dieses Jahr schon wieder sehr viele Fusionen statt, während 2003 auf diesem Gebiet noch fast keine Aktivität festzustellen war. Die Stimmung der Investoren hat sich seit letztem Jahr auch komplett gedreht und ist jetzt wieder sehr positiv gegenüber Aktien. Eine Ausnahme stellt hier Spanien dar: Nach den Terroranschlägen und den Wahlen verschlechtert sich das Anlageumfeld immer weiter. Die neue Regierung muss sich erst einmal beweisen, bis dorthin bin ich noch skeptisch.

EU-Erweiterung: Zug noch nicht abgefahren

e-fundresearch: Die EU-Osterweiterung erwähnen Sie nicht?

David Baverez: Auch das ist ein sehr interessantes Thema. Derzeit habe ich rund 15 Prozent des Fondsvolumens in Osteuropa investiert, da hier trotz des baldigen EU-Beitrittes viele Investoren bis jetzt nicht reagiert haben. Der Zug ist sicher noch nicht abgefahren.

„Ölwerte erscheinen interessant“

e-fundresearch: Welche anderen Länder und Sektoren gefallen Ihnen derzeit am meisten?

David Baverez: Gegenüber dem MSCI Europa sind wir in UK stark untergewichtet, da dieser Markt bereits stark im Fokus der Analysten steht. Unser starkes Übergewicht in Deutschland haben wir 2003 abgebaut, dafür gefällt mir mein Heimatland Frankreich sehr gut.

Auf Sektorebene setze ich stark auf Verbrauchsgüter und Finanzwerte, gewichte dagegen Industrie und Grundbedarfsgüter unter. Kürzlich habe ich außerdem Ölwerte aufgebaut, da ich weiterhin von einem hohen Ölpreis ausgehe.

Und sehen wir uns die Marktkapitalisierungen an, so bin ich zu 45 Prozent in Blue-Chips, zu 45 Prozent in Mid-Caps und mit weniger als zehn Prozent in Small-Caps investiert. Denn auch bei Large-Caps finde ich immer noch genug Investmentchancen.

e-fundresearch: Small-Caps sind letztes Jahr sehr gut gelaufen. Sie rechnen also nicht mit einer Fortsetzung?

David Baverez: Wenn der Markt so wie dieses Jahr weiterhin von Liquidität getrieben wird, sollten Large-Caps besser performen. Generell gehe ich in Europa von fairen Bewertungen aus, große Unterbewertungen sehe ich nur noch ein einzelnen Bereichen. In diesen fühle ich mich aber sehr wohl.

„Ich hasse den Index“

e-fundresearch: Verfolgen Sie mit diesem Fonds ein vordefiniertes Anlageziel?

David Baverez: Der Tracking-Error sollte zwischen sechs und zwölf liegen, wobei ich ihn aber immer minimieren will, ohne dabei an Performance einzubüßen. Diese sollte absolut gesehen gut sein, der Index interessiert mich nicht. Ich hasse ihn eigentlich. Idealerweise sollten wir aber mindestens 500 Basispunkte pro Jahr über dem MSCI Europe liegen.

e-fundresearch: Den Tracking Error haben Sie letztes Jahr von über 17 auf zehn gesenkt. Warum?

David Baverez: Das hängt immer davon ab, in welchem Marktstadium wir uns befinden. Aktuell bin ich etwas sensibler, was die Minimierung des Risikos betrifft. Eine generelle Schlussfolgerung darf man daraus aber nicht ziehen.

Ohne Risiko kein Ertrag

e-fundresearch: Welche Stärken und Schwächen hat der European Aggressive Fund Ihrer Meinung nach?

David Baverez: Die rund 60 Fidelity-Analysten, die für mich arbeiten, sind sicher unsere große Stärke. Das größte Risiko des Fonds ist es, in einer Abwärtsbewegung des Marktes die Verluste zu minimieren. Das Produkt ist bei Definition risikoreich, ich versuche das Risiko aber trotzdem so gut wie möglich zu beschränken. Das funktioniert etwa anhand strikter Stop-Loss-Orders. Generell darf man aber nicht vergessen, dass das größte Risiko darin besteht, keine Risiken einzugehen: Ohne Risiko kein Ertrag.

e-fundresearch: Vielen Dank für das Gespräch!

Performancedaten per 23.3.2004 in Euro Datenquelle: Lipper

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