Eine letzte Zigarette ...

5. April 2004, 17:58
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Irland setzt als erstes EU-Mitglied umfassendes Rauchverbot in Kraft - Betroffen sind in erster Linie die 10.000 Pubs

Dublin - Irlands Pub-Besucher müssen ihr Guinness künftig ohne Glimmstängel und verrauchtes Ambiente trinken. Am Montag trat in der Inselrepublik Europas schärfstes Rauchverbotsgesetz in Kraft, das Zigaretten und anderes Qualmwerk weitgehend aus dem öffentlichen Leben verbannt. Das Rauchverbot gilt für Restaurants, Pubs, Discos, Büros und Fabriken - sogar auf Fischkuttern sind Zigaretten künftig untersagt.

Das Verbot werde jedes Jahr das Leben von mindestens 150 Passivrauchern retten, sagte Gesundheitsminister Michael Martin, der das In-Kraft-Treten des Gesetzes mit einem Frühstück in einem rauchfreien Cafe in Dublin beging. "Sollte das Verbot zu einem Rückgang beim Tabakkonsum führen, wären die Auswirkungen noch größer."

Rauchverbotsschilder

An den Eingängen zu den Pubs und Restaurants sowie auf Toiletten und im Barbereich wurden am Montag die vorgeschriebenen Rauchverbotsschilder angebracht. Das Personal soll Gäste, die sich eine Zigarette anzünden, darauf aufmerksam machen, dass Rauchen nicht erlaubt ist - und sich notfalls weigern, Raucher zu bedienen. Einige Pubs erwägen nun, überdachte und beheizte Raucherzonen im Freien einzurichten.

In Irland, wo jeder vierte der 3,9 Millionen Einwohner raucht, starben bisher jedes Jahr 7.000 Menschen an nikotinbedingten Krankheiten. Am schwersten dürfte die Umstellung auf das rauchfreie Zeitalter den Besuchern von Irlands rund zehntausend Pubs fallen. Die bisher zumeist verqualmten Lokale spielen im Sozialleben der Insel eine zentrale Rolle. Pub-Besitzer, die nicht entschlossen gegen Raucher vorgehen, drohen nun Strafen von bis zu 3.000 Euro sowie der Entzug ihrer Lizenz. "Rauchdetektive" sollen künftig Gesetzesbrecher an die Behörden melden. Bürger können über eine Telefon-Hotline Verstöße bekannt geben, wie der "Irish Idependent" berichtete.

Ahern zeigt sich überzeugt

Bisher war Rauchen bereits in irischen Bussen, Bahnen, Kinos, Glücksspielhallen und Behördengebäuden verboten. Premierminister Bertie Ahern hatte sich am Wochenende überzeugt vom Sinn des neuen Gesetzes gezeigt: "Wenn man in der Rauchfahne eines Rauchers und seiner Zigarette steht oder in einem Raum mit Rauchern ist, wird man mindestens 50 Stoffen ausgesetzt, die erwiesenermaßen Krebs erzeugen." Gesundheitsminister Martin hatte den Rauchern Mut zugesprochen: "Die neue Maßnahme wird einiger Gewöhnung bedürfen und nicht völlig problemfrei verlaufen, aber ich bin zuversichtlich, dass sich die Leute anpassen."

Einer Umfrage zufolge sind 81 Prozent der Iren der Auffassung, dass die Pubs das Rauchverbot durchsetzen sollen. Sogar unter den bekennenden Rauchern fand sich dafür mit 61 Prozent eine klare Mehrheit.(APA/AP)

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    Peter Moore, 74, raucht noch eine letzte Zigarette im Pub, bevor es dort verboten ist, Irland setzt als erstes EU-Mitglied Rauchverbot in Kraft

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