Veloce-Räder stehen still

1. April 2004, 13:30
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Dienstleistung teurer, Umsatzanteil für Fahrer zieht aber nicht mit - Geschäftsführung sieht nur "Wichtigmacherei"

Wien - Selten stimmt der Gewerkschaftspruch von den stillstehenden Rädern so wie in diesem Fall: Beim Wiener Fahrradbotendienst Veloce wird derzeit ein Arbeitskampf ausgetragen, inklusive Warnstreiks. Während die Fahrer die schlechten Arbeitsbedingungen kritisieren, sieht die Geschäftsführung nur "Wichtigmacherei".

Preiserhöhung

Entzündet hat sich der Streit an einer Preiserhöhung. Die Tarife für die Kunden wurden um 50 Cent hinaufgesetzt. "Gleichzeitig wurden die Sätze für die Fahrer um vier Prozent erhöht", betont Veloce-Geschäftsführer Paul Brandstätter. Knapp die Hälfte der Fahrer sieht das anders: "Normalerweise bekommen wir 57 Prozent des Umsatzes. Von den 50 Cent, die die Kunden mehr zahlen müssen, sollen wir aber nur 26 Prozent bekommen", kontert Manfred Ecker, der Sprecher der Fahrerversammlung.

Am vergangenen Donnerstag wurde ein dreistündiger Warnstreik abgehalten. Hans Sallmutter, Vorsitzender der Gewerkschaft der Privatangestellten, war zur Streikversammlung eingeladen.

"Moderne Sklaven"

Was er dort zu hören bekam, macht ihn auch am Tag darauf noch fassungslos. "Das sind wirklich moderne Sklaven", schildert er im STANDARD-Gespräch. Etwa die Tatsache, dass einige Fahrer, die großteils freie Dienstnehmer sind, für ihre Lohnabrechnung an Veloce zehn Euro zahlen müssen. Aus der einen Forderung - nach dem 57-Prozent-Anteil an der Preiserhöhung - wurden schließlich acht, berichtet nun Fahrersprecher Ecker. Darunter auch jene, dass in den Sommermonaten weniger Anfänger eingestellt werden sollen. Denn diese "bekommen nur 40 Prozent des Umsatzes und nehmen den so genannten Stammfahrern das Geschäft weg."

Brandstätter versteht die Aufregung allerdings nicht ganz. "Das gehört halt zum Flair der schrägen Typen dazu", meint er. Dass die Anfänger weniger verdienen sei immer so gewesen. Es würden aber nicht übermäßig viele eingestellt. Dass für die Lohnabrechnung in "einigen komplizierten Fällen eine Bearbeitungsgebühr eingehoben wird", gesteht er ein. Diese Woche soll es zu einem Treffen zwischen den Parteien kommen. Ohne Einigung droht ein neuer Stillstand. (Michael Möseneder, DER STANDARD, Printausgabe, 29.3.2004)

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Veloce
  • Kommt es diese Woche zu keiner Einigung zwischen dem Veloce-Chef und seinen Fahrern, gibt es keine besonders schnelle Post mehr
    foto: matthias cremer

    Kommt es diese Woche zu keiner Einigung zwischen dem Veloce-Chef und seinen Fahrern, gibt es keine besonders schnelle Post mehr

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