Westenthaler: Mehr angekündigt als gelöst

3. April 2004, 12:23
7 Postings

Das von versprochene zentrale Ticketing der Bundesliga lässt auf sich warten

Johann Skocek

Wien - Mitte März 2003 begab sich Bundesliga-Vorstand Peter Westenthaler auf eine seiner Dienstreisen nach Hamburg zu seinem Freund, dem HSV-Trainer Kurt Jara. Wieder zurück in Wien, beurteilte er selber seinen Ausflug "positiv", er habe sich dort über Marketing- und Ticketingsysteme informiert. Jeder Fachmann kennt diese Systeme auswendig. Westenthaler hat bis heute das Vorhaben des (teil)zentralen Marketings nicht zusammengebracht. Es wurde nicht ausgeschrieben, wird auf Wunsch von Westenthaler bloß von der International Sports Agency (ISA) betrieben. Auch wenn sich langsam die bekannte Tatsache durchsetzt, dass ein TV-Vertrag die wesentliche Voraussetzung für das Marketing darstellt. Wie beispielsweise für den T-Mobile-Ligavertrag, der im Vergleich zu seinem Vorgänger minus drei Prozent bringt. Mit dem Abschluss des TV-Vertrags aber ist Westenthaler ebenfalls im Rückstand.

Das von Westenthaler groß angekündigte Ticketingsystem ist weiter weg als die Austria vom internationalen Fußball. Die Idee Westenthalers ist, dass alle Bundesliga-Vereine an ein Online-Kartenverteilungssystem angeschlossen werden. Das biete laut der Agentur Sportfive, die die Lösung anbietet, den Vorteil, dass praktisch überall mit einem PC eine Ticketverkaufsstelle eingerichtet werden kann und die Kartenlage immer aktuell ist.

Mittlerweile gibt Westenthaler zu, "dass bis zum Beginn der Saison 2004/2005 eine Gesamtumstellung aufgrund der vier- bis sechsmonatigen Vorlaufzeit nicht mehr möglich ist". Einige Klubs sollten umgerüstet werden, der Rest in der Winterpause folgen. Im Mai 2003 erhielt Westenthaler laut Sportfive ein Angebot, seither wurde die Sache nicht bis zur Entscheidungsreife weiterbetrieben. Austria Salzburg arbeitet seit einiger Zeit mit dem System, das von einem Server in Hamburg gespeist wird. Manager Gernot Blaikner wies im Jour fixe Anfang März auf die enormen Schwierigkeiten mit dem System hin.

Die Geschäftsführerin des GAK, Ulrike Pilz, wies schon im Herbst 2003 auf die Dringlichkeit des neuen Ticketings hin. Der GAK braucht im Grazer Stadion eine Ticketinglösung und muss wegen der von der Bundesliga nicht eingehaltenen Zusage das Projekt nun verschieben. Im Ticketing wie im Marketing gäbe es Mitbewerber, die von der Bundesliga jedoch nicht zum Wettbewerb eingeladen wurden.

Westenthaler will - wie auch im Fall der Videobilder (UMTS) in den Handys, die derzeit von der Agentur sport1 zur allgemeinen Zufriedenheit behandelt werden - auch das Ticketing von der Bundesliga selber machen lassen und dazu eine Serverfarm einrichten. Man wäre dann nicht mehr von den deutschen Servern abhängig. Da es nirgends auf der Welt ein zentrales Online-Kartenverkaufssystem gibt, sind verwertbare Erfahrungen gering. In Deutschland funktioniert der teilzentrale Verkauf auch deshalb, weil der Abonnentenanteil sehr hoch und die Verkäufe an den Tageskassen eher gering sind. Das Computersystem muss also relativ wenige Tickets in kurzer Zeit prozessieren. Das scheint auch das Hauptproblem der Salzburger zu sein.

Andererseits sind die absoluten Verkaufszahlen in Österreich im Vergleich zu Deutschland ein Klacks. Derzeit läuft eine im Jour fixe vereinbarte Statuserhebung, da Sportfive aber noch nicht tätig geworden sein kann, heißt es weiterwursteln. (Johann Skocek, DER STANDARD, Printausgabe, 29.3.2004)

Share if you care.