Kronsteiner, der starke Mann von Favoriten

2. April 2004, 14:28
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Austria hat gegen Sturm Graz 5:1 gewonnen, Neotrainer Günter Kronsteiner ließ seinen Einstand feiern - Den Erfolg will er zukünftig mit dem neuen Mitarbeiter Lars Söndergaard teilen

Klaus Stimeder

Wien - Der letzte Violette, der sich von den Fans feiern ließ, war ein Schwarz-Weißer. Das Gros der Zuschauer hatte das Horrstadion längst verlassen, und der nach fünf Toren seines Teams gefeierte Trainer Günter Kronsteiner gab schon erste Interviews, als ein einsamer Grazer quer über den Platz spazierte. Über sein Torwartleiberl hatte sich Thomas Mandl das Trikot von Ernst Dospel gezogen.

Auf der nunmehr verwaisten gegnerischen Seite angekommen, nahm er Aufstellung und klatschte der Westtribüne, welche die Fans der Austria ihre Heimat nennen, Beifall. Die klatschte zurück und feierte den gegnerischen Keeper mit Sprechchören. Derjenige, der ihm vier Tore innert einer Halbzeit geschossen hatte, sagte nachher: "Das ist für mich fantastisch. Aber Thomas Mandl tat mir Leid." Radoslav Gilewicz fühlte mit dem Nationaltormann, den der Meister im Winter zu Sturm Graz transferierte.

Mandl ist das letzte Symbol der Personalpolitik aus der Ära Joachim Löw, jenes Fußballlehrers aus Deutschland, der den Titelverteidiger bis vergangene Woche trainierte. Jetzt ist Löw weg, der Sportdirektor Kronsteiner hat seinen Posten übernommen, und die Austria hat Sturm Graz mit 5:1 besiegt und eine Hälfte lang überragend gespielt.

"Wir hatten Spaß und Freude am Spielen", benannte Kronsteiner das Erfolgsgeheimnis. Vor dem Spiel war Sponsor Frank Stronach in der Kabine aufgetaucht, gepredigt haben soll er nicht. Gewonnen hat die Austria trotzdem, weil sie unbekümmert und trotz Fehlern stets auf die eige- nen Fähigkeiten vertrauend (Janocko) nach vorne spielte.

Sie trauen sich wieder was am Verteilerkreis, das war die Botschaft, welche die Spieler anbringen wollten, Gilewicz: "Rushfeldt und ich leben von den Flanken, wir sind Strafraumspieler. Wir haben mehr Chancen gehabt als in den vergangenen fünf, sechs Spielen zusammen und sie auch eiskalt genützt."

Wie hoch die Leistung der Austria wirklich einzuschätzen ist, fällt angesichts der inferioren Abwehrleistung der Grazer indes schwer. Libero Golemac war mit der Organisation völlig überfordert, Fehler wie beim 2:0 - Dmitrovic passte derart schlecht zu Mandl zurück, dass sich Gilewicz dazwischenwerfen und verwerten konnte - degradieren Sturm zum Abstiegskandidaten. Der Meister ist indes wieder auf Titelkurs, Einigkeit herrscht über die künftige Linie, die lautet: Günter Kronsteiner über alles. Zwar wird Wunschkandidat Lars Söndergaard heute als neuer Trainer präsentiert, der Exsalzburger tritt seinen Job freilich unter besonderen Prämissen an. Sportmanager Kronsteiner behält sich das letzte Wort in Sachen Aufstellung und Taktik vor, spricht von einer "sicher einvernehmlichen Zusammenarbeit".

Für Sturms Goalie Thomas Mandl ist die Saison gelaufen: "Wir haben den kommenden Meister gesehen. (Klaus Stimeder, Printausgabe, 29.3.2004)

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