Pferdesport: Das Perfekte ist manchmal auch das Angenehme

2. April 2004, 10:27
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In Dubai steigt jedes Jahr der teuerste Event der Welt - Spitzensport, auch wenn die Zuschauer nicht wetten dürfen und das Gebet Richtung Mekka verrichten

Nikolaus Dolenz aus Dubai

Die vielleicht augenfälligsten Unterschiede zwischen der Rennbahn in Dubai und den Bahnen sonst wo in der Welt: Kaum woanders versammelt sich ein Teil der Besucher zur genau vorgeschriebenen Zeit zum Gebet Richtung Mekka auf dem Rasen vor der Haupttribüne. Und noch bemerkenswerter: Es liegen keine verlorenen Wetttickets herum. Es gibt kein hektisches Ausfüllen von Wettscheinen, Anstellen bei den Wettschaltern, Schimpfen auf wen immer wegen verlorener Wetten - es herrscht Konzentration auf Pferd und Reiter. Damit der Nervenkitzel gewahrt bleibt, darf 30 Minuten vor Rennbeginn jeder Zuschauer einmal gratis auf die Sieger der sieben Rennen tippen. Man kann 100.000 Dirham (rund 25.000 €) gewinnen, die von der Renngesellschaft zur Verfügung gestellt werden.

Vergangenen Samstagabend stand der Mittelpunkt und Abschluss des mehrwöchigen Rennfestes in der Wüste, der Dubai World Cup, mit sechs Millionen Dollar Rennpreis das wertvollste Pferderennen der Welt, auf dem Programm. Davor noch sechs Rennen mit 9,25 Millionen Dollar an Rennpreisen. Das lockte rund 30.000 Zuseher hinaus in die Wüste, davon rund ein Drittel Ausländer. Die Ergebnisse waren "pleasantly perfect". So hieß der klare Sieger des World Cup.

Über seine Spezialdistanz von 2000 m Sandbahn war der sechsjährige US-Hengst Pleasantly Perfect unter Jockey Alex Solis eine Klasse für sich, hielt seinen alten Rivalen Medaglia d'Oro mit einer Dreiviertellänge Vorsprung klar in Schach und vermasselte damit dessen Jockey Jerry Bailey einen fünften World-Cup-Sieg und eine Revanche für den Breeders Cup Ende Oktober. Damals gewann Pleasantly Perfect mit eineinhalb Längen Vorsprung. Der heimliche Favorit, Südafrikas Victory Moon, erreichte fünf Längen dahinter Platz drei.

Im Dubai-Duty-Free-Rennen über 1777 Meter lieferten sich der Südafrikaner Right Approach und Deutschlands Aushängeschild, der siebenjährige Fuchshengst Paolini (früher unter dem Österreicher Andi Suborics), bis zur Ziellinie ein packendes Duell. Diesmal mit Suborics Nachfolger Eduardo Pedroza im Sattel. Beide steckten die Nasen zugleich ins Ziel, jeder erhielt 800.000 Dollar Preisgeld.

Das Sprintrennen holten sich die Amerikaner, während über 2400 Meter auf Gras der in Frankreich trainierte Polish Summer unter US-Filmstar/ Jockey Gary Stevens gewann. Das südafrikanische Team blieb im VAE-Derby erfolgreich, der Hausherrnstall Godolphin im Meilenrennen. (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD, Printausgabe, 29.3.2004)

  • Jockey Alex Solis bringt das Ding über 2000 Meter auf Pleasantly Perfect nach Hause.

    Jockey Alex Solis bringt das Ding über 2000 Meter auf Pleasantly Perfect nach Hause.

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