Auch Deutschland für Lemierre als neuen IWF-Chef

4. April 2004, 19:05
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"Spiegel": Schröder signalisierte Chirac Unterstützung

Berlin - Deutschland ist nach Angaben aus Finanzkreisen bereit, den Chef der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, Jean Lemierre, als französischen Kandidaten für den Chefposten beim Internationalen Währungsfonds (IWF) zu unterstützen. Deutschland würde Lemierre bei einer Kandidatur mittragen, erfuhr Reuters am Wochenende aus den Kreisen.

Nach einem Bericht des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hat das deutsche Bundeskanzleramt bereits dem französischen Präsidenten Jacques Chirac Unterstützung für Lemierre als französischen Kandidaten signalisiert. Im Gegenzug solle ein Deutscher Nachfolger Lemierres in dessen bisheriger Funktion werden, hieß es. Außerdem verlange Deutschland von Frankreich Unterstützung für einen deutschen Kandidaten für das neue Amt eines EU-Kommissars mit Zuständigkeit für Wirtschaft, Wettbewerb und Industrie.

Plädoyer für europäischen IWF-Chef

Der deutsche Finanzminister Hans Eichel und sein französischer Kollege Francis Mer hatten vor kurzem in Berlin mit Nachdruck für einen europäischen Kandidaten für den IWF-Chefposten plädiert. Sie wollten aber weder Namen nennen noch mitteilen, ob sie sich bereits für einen Anwärter entschieden hätten. Den Namen Lemierre kommentierte Mer mit den Worten: "Es gibt auch viele andere Kandidaten." Eine Gruppe von IWF-Direktoren hat allerdings verlangt, nicht automatisch erneut einen IWF-Chef aus Europa zu bestellen, sondern rein nach Eignung zu entscheiden.

Einziger offizieller Anwärter der Europäischen Union auf die Nachfolge von Horst Köhler an der IWF-Spitze ist bisher der scheidende spanische Wirtschaftsminister Rodrigo Rato. Mit der Bestellung des Spaniers Jose Manuel Gonzalez-Paramo in das Direktorium der Europäischen Zentralbank sind Ratos Chancen für den IWF-Posten aber gesunken. Frankreich favorisiert nach Medienberichten inzwischen Lemierre. Zudem hat Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi vor wenigen Tagen einen eigenen Kandidaten für die Köhler-Nachfolge ins Spiel gebracht, ohne bisher einen Namen zu nennen. Köhler hatte seinen IWF-Posten aufgegeben, weil er für das Amt des Bundespräsidenten kandidiert. (APA/Reuters)

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    Deutschland würde Lemierre bei einer Kandidatur mittragen, war am Sonntag zu erfahren.

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