Multiple Sklerose: Je früher die Therapie, desto besser

1. April 2004, 14:51
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Tagung von 80 Neurologen in Salzburg - 8.000 MS-Kranke in Österreich - Patienten brechen Behandlung zu früh ab

Salzburg - Je früher die Therapie bei Multipler Sklerose einsetzt, desto größer sind die Chancen, dass den Patienten irreparable Schäden erspart werden. Oder dass diese Schäden zumindest später auftreten. Das war eine der wichtigsten Botschaften einer Tagung von rund 80 Neurologen aus ganz Österreich die am Samstag im Sheraton-Hotel in der Stadt Salzburg stattgefunden hat.

Von der Krankheit Multipler Sklerose (MS) sind in Österreich nach Angaben von Professor Ulf Baumhackl, Primarius der Neurologie am Krankenhaus St. Pölten (NÖ), rund 8.000 Menschen betroffen. Man könne daraus schließen, dass in Österreich unter 100.000 Menschen hundert MS-Fälle vorkommen, erläuterte der Mediziner bei dem Symposium "Diagnostische und therapeutische Trends bei Multipler Sklerose".

Krankheitstyp

Die Prognose und Behandelbarkeit der MS ist stark vom Krankheitstyp abhängig. Etwa 85 Prozent der Fälle nehmen zu Beginn einen schubförmigen Verlauf. Mit immunmodulierenden Substanzen sind diese Formen meist gut beeinflussbar. Es gelingt, die Anzahl der Schübe zu senken und damit bleibende Schäden wie gestörte Motorik, Sehschäden und Müdigkeit hintanzuhalten oder zu verzögern. Allerdings brechen viele Patienten ihre Therapie wegen erheblicher Nebenwirkungen sehr bald ab.

Die Therapie mit Interferon-ß wird laut Daten aus Deutschland sogar von 40 Prozent der Patienten innerhalb eines Jahres beendet. Bei Glatirameracet, einer Nicht-Interferon-Substanz, brachen einer US-Studie zufolge nach 35 Monaten 22 Prozent der Patienten ihre Therapie ab. Der einheitliche Tenor der Neurologen in Salzburg lautete: "Es ist wichtig, die Patienten auch psychisch gut zu betreuen, um den zu frühen Ausstieg aus der Therapie zu verhindern. Die positive Wirkung setzt oft erst nach Monaten ein. Heilbar ist MS aber nach wie vor nicht."

Behandlungschancen

Weniger gut stehen die Behandlungschancen für die so genannten progredienten Formen der MS. In vielen Fällen müssen die Ärzte mit Physiotherapie auskommen. Trotzdem: MS-Kranke haben eine normale Lebenserwartung. Professor Baumhackl: "An MS stirbt man nicht . Es geht darum, den Patienten mit der richtigen Therapie möglichst lange ein Leben ohne wesentliche Behinderungen zu ermöglichen, was in vielen Fällen gelingt." (APA)

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