Private brennen anders als Unternehmen

4. April 2004, 11:08
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Kopien von Filmen oder Musik-CDs für den privaten Gebrauch sind legal - Komplizierte Leergutrückvergütung für CDs

Philip S. ist verärgert. Er ist Hobby-Fotograf und brennt seine Bilder zwecks Archivierung auf CD. Bis vor kurzem hätten auch Privatleute wie Philip S. die 20 bzw. 36 Cent im Preis jedes verkauften CD- oder DVD-Rohlings enthaltene Urheberrechtsabgabe sich von den Verwertungsgesellschaften zurückerstatten lassen können.

"Murks"

Hätten können – wenn es mit der zum 1. Juli 2003 erfolgten (EU-)Gesetzgebung in Sachen Urheberrecht so einfach wäre, wie es eben nicht ist. "Das hier zugrunde liegende Urheberrechts-Gesetz ist in mancher Hinsicht ein Murks", sagt der Jurist Helmut Steinmetz von der Austria Mechana, einer der 14 österreichischen Verwertungsgesellschaften . Privatpersonen dürften zwar für den privaten Gebrauch Kopien von Filmen oder Musik-CDs etc. auf entsprechendes "Trägermaterial" anfertigen, ohne entsprechende Nutzungsrechte einzuholen. Auch sonst dürfe gespeichert werden, was man wolle. Dafür müsse aber eben eine Leerkassettenvergütung berappt werden. "Die Musikindustrie wollte jede digitale Kopie verbieten und man hat sich schließlich auf diese Praxis geeinigt", so Steinmetz, weshalb jetzt bei jedem Kauf die Gebühren an Austro Mechana abgeführt werden.

Unternehmen

Anders bei Unternehmen. Diese dürfen de jure ohne Zustimmung des Urhebers kein geschütztes Gut auf Datenträger kopieren. Ergo brauchen sie auch per se keine Vergütung für Leergut zahlen. Ob die Genehmigungen immer eingeholt werden, steht dabei auf einem anderen Blatt. Speichern Unternehmen jedoch firmeninterne Daten oder frei verfügbare Software, haben sie das Recht, sich die Kopierabgabe zurückzuholen. (Der Standard Printausgabe 27./28. März 2004,kat)

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14 österreichischen Verwertungsgesellschaften

Nachlese

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