Jazzfestival Saalfelden sucht neue Leitung

2. April 2004, 12:49
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Vorzeigefestival in Turbulenzen

Saalfelden - Gerhard Eder ist nicht mehr Chef des Jazzfestivals in Saalfelden. Nach Meinung des Festivalaufsichtsrates habe eine Prüfung der Bücher den Verdacht von "Ungereimtheiten" in den Budgets erhärtet. Deshalb ist der Vertrag des Geschäftsführers Eder und jener der zweiten Geschäftsführerin, Ursula Windhager, aufgelöst worden.

Der Wirtschaftsprüfer bemängelt, dass die Geschäftsführung die Abrechnung 2003 als ausgeglichen vorgelegt habe, was jedoch nicht der Fall sei. Es gebe Budgetüberschreitungen sowie Zahlungen, die vom Aufsichtsrat nicht beschlossen wurden, so der Prüfer. "Die Geschäftsführer haben die Sorgfalts- und Informationspflicht gegenüber dem Aufsichtsrat nicht eingehalten und ihre Kompetenzen überschritten", so der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Hartl.

Die Überschuldung der Jazz Saalfelden GmbH betrage 280.000 Euro. Die Gesellschaft soll jetzt saniert und der Weiterbestand des Festivals gesichert werden. Der Aufsichtsrat betont, dass es gegenüber den Geschäftsführern keine Vorwürfe der persönlichen Bereicherung gebe. Es werde in dieser Hinsicht nicht geprüft - "noch nicht" so Hartl. Allerdings behält man sich vor, Schadenersatz gegenüber den Geschäftsführern geltend zu machen. Ehebaldigst soll eine neue Geschäftsführung für das Jazzfestival und das Zentrum zeitgenössischer Musik (Nexus) und eine interimistische Festivalleistung eingesetzt werden. Man ist optimistisch, dass das Festival im kommenden Sommer wie geplant stattfinden kann.

Gerhard Eder bestreitet nicht, dass es etwa durch die Hochwasser vor zwei Jahren zu einem Minus von 150.000 Euro gekommen war. Die Summe von 280.000 Euro erscheint ihm "zu hoch" gegriffen. Und: Bei etwas gutem Willen wäre das Problem zu lösen gewesen - Eder arbeitet gerade an einer Gegendarstellung. Pläne für das kommende Festival habe er nicht erstellt, da ihm, so Eder, schon seit längerem klar gewesen sei, wie die Geschichte ausgehen würde. Er hätte sich einen anderen Abschied gewünscht und will jetzt um seine Reputation kämpfen. Und in absehbarer Zeit in Österreich wieder ein Festival veranstalten. (tos, DER STANDARD, Printausgabe vom 27./28.3.2004)

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