Zores um neuen Seibersdorf-Chef

1. April 2004, 16:14
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Gehaltsvorstellungen überzogen

Wien - Die Bestellung des kaufmännischen Geschäftsführers für Seibersdorf Research, also der Kerngesellschaft der Austrian Research Centers (ARC), zieht sich. Die Wahl war am 30. Jänner auf den Manager Konrad Freyborn gefallen. Bis dato wurde mit dem 44-Jährigen, der zuvor bei IBM, Rank Xerox und als Österreich-Geschäftsführer der Rating-Agentur Dun & Bradstreet tätig war, allerdings noch kein Arbeitsvertrag abgeschlossen.

Es spießt sich bei den Gehaltsvorstellungen des Managers, erfuhr DER STANDARD aus ARC-Aufsichtsratskreisen. Diese lägen deutlich über dem, was Österreichs größte außeruniversitäre Forschungsgesellschaft zahlen kann.

Da Jahresgehälter über 100.000 Euro der Genehmigung des Aufsichtsrats bedürfen, habe der ARC-Aufsichtsrat am Mittwoch die Entscheidung über Freyborns Vertrag vertagt, sagte ein Kapitalvertreter, der nicht genannt werden wollte. Hintergrund sei, dass eine Reihe der 70 Bewerber abgewunken hätten, weil man in Seibersdorf "keine Häuser verdienen" könne. Daher wäre es jetzt unfair, die Ausschreibung nachzujustieren.

Die aus Helmut Krünes und Erich Gornik bestehende ARC-Holding-Geschäftsführung muss nun mit Freyborn weiterverhandeln und wurde deshalb für weitere zwei Monate mit der interimistischen Leitung der Tochter Seibersdorf Research betraut.

ARC-Aufsichtsratspräsident Richard Schenz wollte dazu keine Stellungnahme abgeben. Er meinte nur, er werde genau darüber wachen, dass die Ausschreibungsbedingungen penibel eingehalten würden. "Über die vereinbarte Deckelung fährt die Eisenbahn drüber."

Neue Aufsichtsräte

Eine Verkleinerung und Erneuerung steht indes beim Aufsichtsrat selbst an. Da im Juni alle Mandate auslaufen, will ARC-Mehrheitseigentümer Infrastrukturminister Hubert Gorbach die Gelegenheit nützen, das aus knapp zwanzig Kontrolloren bestehende Kontrollgremium zu verkleinern. Demnach soll die Republik mit sechs und das Industriesyndikat mit fünf Personen repräsentiert sein. Zunächst sollen alle 50 Syndikatspartner um Vorschläge gebeten werden.

Neue Stiftungsräte

Fix ist indes, wer dem Stiftungsrat der Forschungsstiftung angehört, deren konstituierende Sitzung am Dienstag stattfindet: Barbara Weitgruber (Bildungsministerium), Andreas Reichhardt (Infrastrukturministerium), Peter Kowalski (Wirtschaftsministerium) und Herbert Kasser (Finanzministerium). (Luise Ungerboeck, Der Standard, Printausgabe, 27.03.2004)

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