500 Sender suchen Zuhause: ORF bastelt an Ausgliederung - andere sind schon weiter

14. September 2004, 11:00
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Spätestens 2010 sollen wir Fernsehsignale nur noch digital empfangen und nicht wie gewohnt analog

Spätestens 2010 sollen wir Fernsehsignale nur noch digital empfangen und nicht wie gewohnt analog. Der ORF nimmt die Umstellung zum Anlass, ernsthaft über eine Ausgliederung seiner rund 470 Senderstandorte nachzudenken und Banken mit einer Minderheit zu beteiligen. In zahlreichen anderen Staaten Europas ist man schon ein paar Schritte weiter.

Finnland zum Beispiel gliederte sein Netz 1999 aus, verkaufte 2000 zunächst 49 Prozent an die französische Betreiberfirma TDF, die im Juli 2003 noch 41 Prozent übernahm. Die übrigen zehn Prozent der öffentlich-rechtlichen Anstalt bekommt TDF 2005. Mit 300 Millionen Euro Erlös konnte unter anderem eine Gebührenerhöhung verschoben werden. Der ORF entgegnet: "Der Verkaufspreis von heute ist unsere Sendermiete von morgen." Ob die Mieten angemessen sind, kann aber die KommAustria prüfen.

In Norwegen haben öffentlich-rechtliches und privates TV eigene Sendernetze. Eine Plattform für die Digitalfernsehen wollen sie gemeinsam betreiben. Das Sendernetz der BBC in Großbritannien wurde in den Neunzigerjahren an private Betreiber verkauft, die die Standorte auch für andere Anwendungen nützen.

Von den Programmveranstaltern getrennte Senderbetreiber gibt es nach Recherchen der Rundfunkregulierung RTR zum Beispiel auch in Frankreich, der Schweiz, in Deutschland (die ARD hat in den alten Bundesländern eigene Sender), in Schweden, aber auch in einigen Erweiterungsländern wie Tschechien, der Slowakei und Ungarn. Italiens RAI hat ihr Sendernetz 2000 ausgegliedert. (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 27./28.3.2004)

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