AMS kämpft mit Defizit und mit der Angst vor Datenverlust

2. April 2004, 14:00
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EDV-Probleme: Arbeitslose könnten durch Datenverlust um ihre Rechte bzw. ihr Geld umfallen

Wien – Im Arbeitsmarktservice Österreich (AMS) muss man derzeit an äußerst sensiblen Fronten kämpften. Zum einen mit Budgetproblemen. Wie Standard-Recherchen in Expertenkreisen ergaben, wird das AMS nämlich heuer aller Voraussicht nach ein Defizit in Höhe von über 450 Millionen Euro schreiben. Im Vorjahr waren es um rund 120 Mio. Euro weniger.

Weil Finanzminister Karl- Heinz Grasser per Gesetz nur dazu verpflichtet ist, 365 Mio. Euro abzudecken, bleibt für das AMS eigentlich nur die Möglichkeit offen, für den großen Rest einen Kredit aufzunehmen. Eine Aktion, die heuer, seit langer Zeit, erstmals wieder notwendig wird.

Zum anderen schlägt sich das AMS aber auch seit längerem mit EDV-Problemen herum. Gravierend wurde es damit am 8. März, als ein neues, homogenisiertes EDV-System installiert wurde, dessen eingeschränkte Nutzungsmöglichkeit Anlass für äußerst unerfreuliche Szenen zwischen AMS-Beratern und -Kunden gewesen sein soll. Wie der Sozialsprecher der Grünen, Karl Öllinger, ausführt, sei es im Zusammenhang damit vor allem "zu Klagen bei der Neuanmeldung von Arbeitslosigkeit, bei der Bearbeitung von Ansuchen auf Unternehmensförderungen, bei der Zuteilung von AMS-Kursen und bei der Ausstellung von Krankenscheinen gekommen.

Im Nirwana ?

AMS-Mitarbeiter hätten dabei nur einen äußerst eingeschränkten Zugriff auf die notwendigen Grunddaten gehabt. Öllinger: "Niemand weiß, ob die zugebuchten Daten vom System auch akzeptiert werden oder ob sie im Nirwana landen." Er hofft deshalb, "dass das AMS ein Notprogramm im Talon hat, wenn sich beim nächsten Auszahlungstermin der ,Arbeitslosen‘ Anfang April zeigen sollte, dass manche, bedingt durch die EDV-Probleme, eventuell ihr Geld, nicht bekommen".

Das wird sicher nicht passieren, ist man sich hingegen bei der AMS-EDV-Tochterfirma und bei Siemens einig. Klaus Heidinger, Geschäftsführer der AMS BetriebsGes.m.b.H., sieht den Auszahlungstermin des Arbeitslosengeldes dezidiert "nicht gefährdet." Im Übrigen sei auch in den vergangenen Wochen die gesamte Funktionalität des Systems immer gegeben gewesen", auch wenn er einräumt, dass "die Performance, also etwa der Datenzugriff, sicher langsamer war als sonst".

"80 Prozent des Soll-Zustandes"

Und bei der Partnerfirma Siemens heißt es auf Standard-Anfrage, "es gebe Performance-Einbußen, derzeit liegt man bei 80 Prozent des Soll-Zustandes." Aber: "In den nächsten Tagen und Wochen sollte alles bereinigt sein." Gesichert sei etwa auch der kurz bevorstehende aktuelle Ausweis der Arbeitslosenzahlen für März.

Im Vormonat waren in Österreich 302.319 Menschen ohne Jobs beim AMS vorgemerkt und damit um 751

(+2,5 Prozent) mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Zählt man diejenigen dazu, die sich in Schulungen befinden, sind 344.251 Menschen ohne Arbeit.(Monika Bachhofer, Der Standard, Printausgabe, 27.03.2004)

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