EU vor Zulassung gentechnischer Verunreinigungen im Saatgut?

1. April 2004, 14:44
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Wien - "Aus gut unterrichteten Kreisen in Brüssel wissen wir, dass die zuständigen Beamten der Umwelt-, Agrar- und Verbraucherdirektionen der EU-Kommission sich geeinigt haben, Kennzeichnungsgrenzwerte für die gentechnische Verunreinigung von Saatgut zwischen 0,3 und 0,5 Prozent vorzuschlagen", so Benedikt Härlin von der europäischen Initiative "Save our Seeds". Dieser Entwurf soll noch diese Woche in die interne Abstimmung der Kommission gehen und könnte Mitte April offiziell veröffentlicht werden.

Saatgut steht am Beginn der Produktionskette aller Lebensmittel. "Wenn nicht einmal Saatgut vor Gentech-Kontamination geschützt werden kann, gibt es mittelfristige keine Aussicht auf die Produktion gentechnik-freier Lebensmittel", ärgert sich Gentechnik-Expertin Susanne Fromwald von Greenpeace. "Das Verhalten der EU in diesem Zusammenhang ist skandalös: Einerseits beschließt man Richtlinien, die zum europaweiten Anbau von Gentech-Pflanzen führen, andererseits wälzt man das Problem der Sicherstellung gentech-freier Landwirtschaft - z.B. im Bereich des Biologischen Landbaus - auf die Mitgliedsstaaten ab."

"ad absurdum"

Wenn Regionen wie Oberösterreich aktiv werden und sich gesetzlich vor den Risiken des Anbaus von Gentech-Pflanzen schützen wollen, bekämen sie von der Kommission Knüppel vor die Füße geworfen. Mit der jetzt geplanten Einführung legaler Grenzwerte für Gentech-Kontamination in Saatgut würden nationale Maßnahmen zur Koexistenz von Gentechnik und gentech-freier Landwirtschaft ad absurdum geführt, so Greenpeace in einer Aussendung. Regionale Verbote bzw. die Schaffung großräumiger gentechnik-freier Zonen seien dann die letzte Möglichkeit.

Greenpeace ruft die Österreicherinnen und Österreicher auf, bei den EU-KommissarInnen Fischler (Landwirtschaft), Wallström (Umwelt) und Byrne (Konsumenten) sowie bei Kommissionspräsident Prodi gegen die geplante Legalisierung von Gentechnik-Verschmutzung in unserem Saatgut zu protestieren. "Gentech-freie Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion müssen auch in Zukunft Vorrang haben", so Fromwald. (red)

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