Parasiten zur Behandlung von Heuschnupfen

1. April 2004, 14:51
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Mikrobiologe: Zunahme von Allergien hängt mit zunehmender Seltenheit von Wurmerkrankungen zusammen

Würzburg - Parasiten wie Band- und Hakenwürmer können auch als Heilmittel eingesetzt werden. Der Mikrobiologe Klaus Brehm glaubt fest daran, dass solche Therapien künftig zunehmen werden. "Es gibt immer mehr Leute, die ihren Heuschnupfen dadurch behandeln, dass sie sich eine kleine Wurminfektion versetzen lassen", sagt der Wissenschafter an der Universität Würzburg. Nach seiner Überzeugung hängt die Zunahme von Allergien in den Industrieländern damit zusammen, dass Wurmerkrankungen zunehmend seltener geworden sind.

"Vor 80 oder 90 Jahren, selbst noch vor 50 Jahren, war es keine Besonderheit, dass jemand einen Bandwurm gehabt hat", erläutert Brehm. Als Folge veränderter hygienischer Bedingungen habe die Zahl dieser Erkrankungen jedoch enorm abgenommen. Es sei durchaus möglich, dass das Immunsystem durch den geringen Kontakt mit den Würmern jetzt zu wenig beschäftigt sei und sich deshalb Ersatzstoffe suche - beispielsweise Pollen oder andere Allergene.

Indiz für die Theorie

Ein Indiz dafür sei, dass die Antwort des menschlichen Immunsystems auf einen Wurm den allergischen Reaktionen des Immunsystems stark ähnele. Auch bei schwerwiegenden und bislang kaum behandelbaren Autoimmunerkrankungen das Darmsystems seien Würmer bereits erfolgreich als Heilmittel eingesetzt worden. "Dadurch, dass diese Würmer bei einer Infektion zu einer generellen Unterdrückung des Immunsystems führen, konnte diesen Patienten geholfen werden", berichtet Brehm.

Wichtig sei natürlich, dass bei solchen Behandlungen nur für den Menschen unproblematische Wurmarten eingesetzt würden. Besonders geeignet seien Hakenwürmer, aber auch der Rinder- oder der Fischbandwurm. "Ich bin sicher, dass so etwas in 20 oder 30 Jahren zum Standard gehören wird", sagt Brehm.

Erforschung der Zell-Zell-Kommunikation

Der 39-jährige Molekularbiologe erforscht derzeit die Zell-Zell-Kommunikation zwischen Menschen und Bandwürmern. Es sei durchaus möglich, dass der Parasit und sein menschlicher Wirt über Hormone und Botenstoffe miteinander kommunizierten. Dies sei eine mögliche Erklärung dafür, dass das Immunsystem des Menschen die Bandwurm-Larven nicht abstoße. "Der Fuchsbandwurm hat Tricks entwickelt, um von unserem Immunsystem toleriert zu werden. Das ist etwas, was wir Menschen überhaupt noch nicht geschafft haben", sagt Brehm. Eine Erforschung dieser Mechanismen sei wichtig für den Fortschritt der Transplantationsmedizin. (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Parasiten wie Band- und Hakenwürmer könnten auch als Heilmittel eingesetzt werden, so der Mikrobiologe Klaus Brehm. (Das Bild zeigt Proglottiden (Bandwurmglieder) eines Fischbandwurms.)

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