Mit Billigfliegern gegen Sars und Irakkrieg

4. April 2004, 19:21
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Trotz der Luftfahrt-Krise ist der Wiener Airport 2003 weit über Schnitt gewachsen - Osterweiterung und neue Langstrecken sollen das Geschäft heuer antreiben

Wien - "Es ist eine besonders schöne Sache für einen Finanzvorstand, solche Zahlen präsentieren zu können", freute sich Kurt Waniek, Finanzvorstand des Wiener Flughafens bei der Präsentation eines Jahresgewinns von 70,8 Mio. Euro am Donnerstag. Den Aktionären, darunter die Länder Wien und Niederösterreich (je 20 Prozent), soll die "schöne Sache" eine Dividende von zwei Euro pro Aktie bescheren - dem Finanzvorstand persönlich hilft dies nicht: Er präsentierte seine letzte Flughafenbilanz und muss im Herbst seinen Hut nehmen, da sein Vertrag nicht verlängert wird. Wie berichtet, haben sich Wien und NÖ darauf verständigt, den "schwarzen" Waniek abzulösen, die beiden "roten" Vorstände Herbert Kaufmann und Gerhard Schmid dürfen bleiben.

Nach den Zeiten von Sars und Irakkrieg hat ein starker Aufwind im zweiten Halbjahr das Wachstum beim Gewinn um rund 24 Prozent (unter Ausklammerung eines Einmalertrags) und beim Umsatz (um 9,4 Prozent auf 348,4 Mio. Euro) möglich gemacht. Mit 6,8 Prozent plus auf 12,8 Millionen Passagiere wuchs der Wiener Airport dreimal so stark wie der europäische Durchschnitt. Vor allem die Billigflieger haben den Erfolg möglich gemacht: "Die Low-Cost-Carrier haben Wien entdeckt", so Vorstandssprecher Herbert Kaufmann; mit 760.000 Passagieren (5,9 Prozent Anteil am Verkehrsaufkommen) haben die acht Billigflieger (an der Spitze Air Berlin) fast für den gesamten Zuwachs gesorgt.

2004: EU-Erweiterung und neue Langstrecken

Im heurigen Jahr, das mit starken Monaten begann, haben vor allem die EU-Erweiterung und neue Langstrecken (u.a. Emirates und Malaysian) beitragen. Wenig Freude hat Kaufmann damit, dass die Austrian mit dem Flughafen bei der bevorstehenden Privatisierung des Airports in Bratislava rittern wollen: "Airports sollen tun, was Airports tun, und Airlines was Airlines tun. Es sollte keine Verschränkungen geben." Aber man sei mit der AUA in Gesprächen über eine gemeinsame Lösung. Insgesamt sei es um Privatisierungen stiller geworden, aber wo sich Gelegenheiten ergeben, prüfe man eine Beteiligung - möglicherweise in Belgrad.

Kaufmann verteidigte erneut die Gebühren des Wiener Flughafens - über eine AUA-Flugwoche gerechnet liege er im Schnitt der Konkurrenten Frankfurt, München, Zürich, Mailand, Prag und Budapest, habe eine Studie erhoben. Dennoch: Bis 2007 will man 15 Prozent kostengünstiger sein und das an die Airlines weitergeben, ein Volumen von 20 bis 30 Mio. Euro. (DER STANDARD Printausgabe, 26.3.2004, spu)

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