Kein schneller Prozess im Parmalat-Skandal

6. April 2004, 13:41
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Richter lehnt beschleunigtes Verfahren ab

Die Hoffnungen, dass es im Bilanzskandal um den italienischen Parmalat-Konzern zu einem schnellen Prozess kommt, wurden nun endgültig ad acta gelegt. Denn der für den Prozess zuständige Richter Guido Piffer lehnte die Forderung der Staatsanwaltschaft ab, die 32 Verfahren beschleunigt zu verhandeln. Die Anklage sei zu allgemein, hieß es. Ohne das von Staatsanwalt Francesco Greco beantragte Schnellverfahren können Jahre bis zum Prozessstart verstreichen.

Heute wird Parmalat-Chefsanierer Enrico Bondi erstmals den 50 wichtigsten Gläubigern den Parmalat Sanierungsplan vorstellen. Die Parmalat Schulden sollen in Eigenkapital gewandelt werden. Den Gläubigern sollen 25 bis 33 Prozent ihres Kapitals garantiert werden.

Gläubiger entscheiden über Zukunft

Dem heute stattfindenden Gläubigertreffen sollen zwei bis drei weitere Treffen folgen, sagte ein Unternehmenssprecher. Falls die Gläubiger dem Sanierungsplan nicht zustimmen, dann werde Parmalat eben liquidiert werden. Rund 100.000 Parmalat-Bondholder haben bei den verschiedensten Banken Italiens Entschädigung für ihr investiertes Kapital gefordert. Der Anleihenkurs macht derzeit zehn Prozent des Nennwertes aus. Die Parmalat-Aktien sind seit vergangenem Dezember vom Börsenhandel ausgesetzt.

Insgesamt hat Parmalat zu Jahresende Schulden von 14,8 Mrd. Euro ausgewiesen, wovon rund sieben Mrd. Euro auf Unternehmensanleihen entfielen. Angeblich sollen bis zu 14 Mrd. Euro Schulden in Aktien gewandelt werden.

Verkäufe

Chefsanierer Bondi will, dass die "neue Parmalat" künftig einen Umsatz von vier Mrd. Euro und bis 2007 eine Umsatzrendite von zehn Prozent erreicht. Parmalat will alle nicht zum Kerngeschäft zählenden Tätigkeiten verkaufen. Zum Kerngeschäft gehören Milch, Milchprodukte und Fruchtsäfte. So sollen etwa die Backwerke in den USA, aber auch die Schokofirmen in Italien veräußert werden.

Neben Unternehmensgründer Calisto Tanzi und mehreren Managern werden bekanntlich die Bank of America sowie die beiden Wirtschaftsprüfer, die italienischen Filialen von Deloitte & Touche und Grant Thornton, der Kursmanipulation, falscher Unternehmensmitteilungen und der Nichtbeachtung der Börsenregeln verdächtigt. (DER STANDARD Printausgabe, 26.3.2004)

Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand
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