Franken- und Yenkredite teurer

2. April 2004, 13:22
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Terror und eine erwartete Eurozinssenkung verschlechtern die Kreditgleichung von 300.000 Häuslbauern - Mit Infografik

Wien - Seit den Anschlägen in Madrid vor zwei Wochen hat der Franken zum Euro 2,4 Prozent aufgewertet. Das heißt: Die Schulden der Franken-Kreditnehmer haben sich in diesem Ausmaß erhöht. Wer im Yen geblieben ist, dem ging es noch schlechter: Seine Schulden sind seit Madrid um sieben Prozent gestiegen.

Fast 300.000 Österreicher sind statt eines klassischen Eurokredites in Fremdwährungen verschuldet. Die meisten von ihnen in Franken, da nach dramatischen Warnungen vor dem unberechenbaren Yen die Verträge von der japanischen Währung in den Franken (mit ähnlich niedrigem Zinsniveau) konvertiert wurden. Nach einem deutlichen Rückgang 2003 zieht heuer das Neugeschäft mit Fremdwährungskrediten wieder deutlich an - und zwar in Franken. Zusammen sind das laut Nationalbank-Statistik fast 36 Mrd. Euro Kreditvolumen im Franken.

Dramatische Warnungen

Zusätzlich zur Aufwertung des Franken sind diese Schuldner aber jetzt mit dramatischen Warnungen konfrontiert: Der größte heimische Devisenschuldenmanager Apis etwa, der Kunden ab einem Volumen von 30 Mio. Euro betreut, hat alle Kredite vom Franken in den Euro zurückkonvertiert, wie er dem STANDARD sagt. Die Gründe: Terror und die Gewaltspirale im Nahen Osten. Die Folge sei eine Flucht in sichere Währungen, also in den Franken, auf den Devisenmärkten. Wer sich vor Terror fürchtet, kauft jetzt wieder Franken. Und Gold. Das treibt den Kurs. Gold ist zuletzt von 404 auf 416 Dollar je Unze gestiegen. Die Aufwertung des Franken zum Euro werde also "beschleunigt" weitergehen, sagt Apis-Chef Peter Stummer. Im Klartext: Frankenkredite werden teurer.

Mit im Konzert spielt die Abschwächung des Euro, die wesentlich von den Annahmen einer baldigen Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank getragen ist. Erwartet werden 0,25 Prozentpunkte innerhalb der nächsten drei Monate.

Zinserhöhung in der Schweiz

"Wir glauben nicht an das Worst-Case-Szenario beim Franken", so der Devisenexperte der Raiffeisen Zentralbank, Valentin Hofstätter. Der Franken werde zum Euro nicht unter 1,53 gehen (derzeit rund 1,55). Vorsicht sei allerdings im Herbst geboten, denn dann sei mit einer Zinserhöhung in der Schweiz zu rechnen, was den Frankenkurs treiben dürfte. Der Yen werde gegenüber dem Euro allerdings sehr stark bleiben. Aktuell prognostiziert er ein Niveau von 126 (derzeit 129).

Ob und wie private Kreditnehmer auf die jüngsten Währungsentwicklungen reagieren, ist vor allem eine Frage des Einstiegszeitpunktes: Wer Anfang 2003 in Franken gegangen ist, sitzt noch auf einem komfortablen Vorteil von 6,5 Prozent im Vergleich zu einem Eurokredit bei einem gleichzeitigen Zinsvorteil von 1,75 Prozent. Wer aber vor vier Jahren Frankenkredite gekauft hat, dessen Schulden sind bereits um 3,6 Prozent gestiegen. Wer vor vier Jahren Yenkredite genommen hat, dessen Schulden haben sich bis jetzt um 16 Prozent reduziert. (Karin Bauer, DER STANDARD Printausgabe, 26.3.2004)

  • Der Euro verliert gegenüber Franken und Yen
    grafik: standard

    Der Euro verliert gegenüber Franken und Yen

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