"Starsky & Hutch": Bubenspielzeug für Sitzenbleiber

14. Juli 2004, 19:57
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Eine Begegnung mit Ben Stiller und Owen Wilson, den Stars der Komödie "Starsky & Hutch"

Die Rückkehr des Mittel-Föhn-Scheitels im Sinne von "Saturday Night Fever", der "sportlichen" Autoverfolgungsjagden - und einer TV-Polizistenserie als Kinokomödie.


London / Wien - Der erste Star parkt gleich vor dem Dorchester Hotel in London: Männerrunden haben sich dort um die geöffnete Motorhaube eines roten Ford Gran Torino versammelt, und wenn der Fahrer ein bisschen Gas gibt, dann bebt das Boys' Toy, und die Zaungäste grinsen verzückt.

Das Auto erlangte in den 70er-Jahren als Fahrzeug zweier Undercover-Ermittler namens Starsky & Hutch TV-Berühmtheit. Derzeit ziert es Kinoplakate. Auf der Motorhaube haben zwei US-Filmstars Platz genommen: Ben Stiller und Owen Wilson, zuletzt in Zoolander als Männermodels wirklich komisch, verkörpern nun, in Strick- beziehungsweise Lederjacke, die beiden legendären Seriencops. Und absolvieren, während draußen ihr Fahrzeug bewundert wird, im Inneren des Hotels Gruppeninterviews für die europäische Presse.

Auch dabei treten sie als antagonistisches Komikerduo in Erscheinung: Eigentlich hätte er allein für seine Rolle als Beifahrer eines New Yorkers eine Erschwerniszulage verdient (Wilson). Schon als Kind sei er ein Fan von Starsky & Hutch gewesen (Stiller), mit eindeutiger identifikatorischer Vorliebe: "Ich war natürlich Starsky." - "Ich bin natürlich auch Starsky gewesen." (Wilson) Die weitere Arbeitsteilung der beiden sieht tendenziell so aus, dass Stiller arbeitet und in Good-Cop-Manier um ein konstruktives Gesprächsklima bemüht bleibt, während Wilson sich lieber unter seine Schirmkappe zurückzieht und - so Stiller - auch beim Drehen "oft vorschlug, dass die Figur, die er spielt, ihren Auftritt wenigstens im Sitzen absolviert."

Schlechte Laune?!

Wenn der Texaner Wilson dann doch das Wort ergreift, dann kaut er die Sätze langsam und ordentlich durch - und will sich etwa nicht auf (Qualitäts-)Unterschiede zwischen Hollywood- und Indie-Komödien festlegen, sondern mehr die genrebedingten Ähnlichkeiten betonen. Oder die Vorzüge der Zusammenarbeit mit Stiller loben: "Wenn Ben schlecht aufgelegt ist, dann kann das meine miese Laune sofort heben."

Das gebündelte komische Talent der ungleichen Charaktere gilt jedenfalls inzwischen als Erfolgsgarant. Starsky & Hutch ist, nach The Cable Guy (1996), The Royal Tenenbaums oder Zoolander immerhin der sechste gemeinsame Kinofilm der beiden US-Stars. Längst haben sie sich auch als Autoren und Regisseure einen Namen gemacht.

Der gebürtige New Yorker Stiller, Jahrgang 1965, stellte 1994 mit der Slackerkomödie Reality Bites sein Regiedebüt vor. Wilson, 1968 in Dallas geboren, entwickelt seit Jahren mit dem Regisseur Wes Anderson und seinen Brüdern Luke und Andrew eigenwillige Indiekomödien (Bottle Rocket, Rushmore). Mit Letzteren dreht er derzeit The Wendell Baker Story.

Zuvor jagt er jedoch mit seinem Partner Stiller alias Starsky, unterstützt vom verlässlichen Informanten Huggy Bear (Snoop Dog), den finsteren Drogendealer Feldman (Vince Vaughn) im Gran Torino durch die Straßen von Bay City. Die Hauptstory des Films liefert den roten Faden für eine Nummernrevue, die mit früheren Stiller-Wilson-Filmen nur punktuell mithält.

Neben der TV-Serie - in der einst David Soul, Paul Michael Glaser und Antonio Fargas die Hauptrollen verkörperten - liefern dabei Filmklassiker wie Easy Rider oder Saturday Night Fever die Vorlage für maskenbildnerische Extravaganzen und für Körperkomik, wenn Stiller im knallengen Jeansanzug eine Travolta-Nummer aufs Parkett legt ("Normalerweise tanze ich nicht, meine Bewegungen sind nicht besonders koordiniert.") oder nackte Cheerleader als Projektionsfläche für männliche Unsicherheiten herhalten müssen.

Dabei betonen alle Beteiligten, man habe das Original, das sich als seriöse Polizeiserie verstand, durchaus ernst genommen. Und, so Regisseur Todd Phillips, bloß den Grundton geändert.

Starsky & Hutch sei nicht als Parodie, sondern als Hommage, als eine Art imaginärer Pilotfilm zu verstehen. Dem steht allerdings nicht nur die Tatsache entgegen, dass der Look der 70er die Versuchung zur Übertreibung in der Abteilung Frisuren und Outfits nahe legt. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.3.2004)

  • Zeit für Investigationen im alten TV-Stil bzw. für das, was Männerfantasien für eine Komödie hergeben können: Owen Wilson und Ben Stiller in "Starsky & Hutch".
    foto: buena vista

    Zeit für Investigationen im alten TV-Stil bzw. für das, was Männerfantasien für eine Komödie hergeben können: Owen Wilson und Ben Stiller in "Starsky & Hutch".

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