"Wenn einer meint, er kann es besser, dann soll er antreten - gegen mich"

6. April 2004, 16:33
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SPÖ-Chef Gusenbauer im STANDARD-Gespräch: "Unsere Strategie, die wir eingeschlagen haben, trägt massive Früchte und wird nicht geändert. Punkt."

Wien - "Wenn einer meint, er kann es besser, dann soll er antreten - und zwar gegen mich." SP-Chef Alfred Gusenbauer ist ein wenig genervt "von den Gerüchten und Unterstellungen", die ihn seit Tagen umschwirren und die seine Führungsqualitäten infrage stellen.

Nun sagt er seinen internen Kritikern den Kampf an: "Der richtige Ort, so etwas auszutragen, ist ein Parteitag. Wenn jemand das Bedürfnis hat, soll er antreten und wir tragen das aus. Das ist ja kein Problem."

Am Kurs der Partei werde jedenfalls nichts geändert, betont Gusenbauer im Gespräch mit dem STANDARD und wähnt sich dabei auf einer Linie mit der viel zitierten Basis: "Pensionisten im Autobus, Leute am Flughafen, alle, die ich treffe, sagen mir: Lassen Sie sich ja nicht unterkriegen."

"Punkt."

Sein Eindruck sei, so der SP- Chef, "dass die große Mehrheit der SPÖ die Strategie für richtig hält, die ich eingeschlagen habe: Nämlich zu versuchen, ehemalige FPÖ-Wähler zur SPÖ zu bringen, weil wir nur damit den ersten Platz erringen und Schwarz-Blau kippen können." In der Klubsitzung diese Woche sei "stundenlang" darüber beraten worden: "Die große Mehrheit hat gesagt, das ist der richtige Weg. Es müsste sich ja im Bereich des Absurden bewegen, wenn eine Partei eine Strategie aufgrund des großen Erfolges ändern sollte. Unsere Strategie, die wir eingeschlagen haben, trägt massive Früchte und wird nicht geändert. Punkt."

Aus Kärnten, wo ja mit der blau-roten Koalition der unmittelbare Anlass für die Debatte um Gusenbauer entstand, bekommt der SP-Chef Rückendeckung - und zwar sowohl von Gegnern als auch Befürwortern des Paktes. Für Landesparteichef Peter Ambrozy stellt sich die Frage nach einem neuen Parteichef nicht, Kärnten sei eine regionale Angelegenheit. Villachs Bürgermeister Helmut Manzenreiter verweist auf die drei Empfehlungen des Bundesparteipräsidiums, die Ambrozy nicht eingehalten habe: "Damit ist Gusenbauer sicher nicht Pate dieser neuen Verwandtschaft. Wobei ich immer sage, die Verwandten kann man sich nicht aussuchen."

"Nirgends bemerkt"

Tirols Landesparteichef Hannes Gschwentner meint, er habe "nirgends bemerkt, dass Gusenbauer das Vertrauen der Parteifunktionäre verloren hätte - auch wenn es Irritationen gab". Bei den SP- Mitgliedern sei der Unmut allerdings "sehr groß". Selbst Parteiaustritte habe es gegeben. "Vereinzelt", betont er. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.3.2004)

SP-Chef Alfred Gusenbauer reicht die Debatte um den blau-roten Pakt in Kärnten und seine Führungsqualitäten. "Wenn einer meint, er kann es besser, dann soll er antreten - und zwar gegen mich", gibt er sich kämpferisch. Am Kurs der Partei werde er jedenfalls festhalten.

Von Samo Kobenter Peter Mayr

Siehe

Gusenbauer im "Format": "Bei Partei­tag im Herbst kann sich jeder zur Wahl stellen" - Broukal: Auftritt des SP-Chefs "von Anfang an vergurkt"

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