Infineon-Chef Schumacher tritt überraschend ab

1. April 2004, 10:50
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Gewerkschaft: Auslöser war Führungsstreit - Aufsichtsratschef Kley als Übergangschef eingesetzt

Der Chef des Chipherstellers Infineon, Ulrich Schumacher, wirft das Handtuch: Schumacher habe sein Amt als Vorstandsvorsitzender des Münchener Unternehmens mit sofortiger Wirkung niedergelegt und auch den Vorstand verlassen, teilte Infineon am Donnerstag mit. Auslöser war offenbar ein heftiger Streit um die Strategie und den Führungsstil des Infineon-Chefs. Das Unternehmen lehnte jede weitere Stellungnahme ab. An der Börse rutschte der Aktienkurs ins Minus.

2.500 Mitarbeiter

In Österreich ist Infineon mit einem Werk in Kärnten (Villach) mit rund 2.500 Mitarbeitern und 533 Mio. Euro Umsatz 2002/03 (per 30.9.) tätig.

Generalabrechnung

In der am Donnerstag kurzfristig anberaumten Aufsichtsratssitzung sei es zu einer Generalabrechnung gekommen, erklärte die IG Metall in München. "Es hat geknallt", sagte ein Gewerkschaftler. Ein wesentlicher Punkt sei dabei der von vielen als selbstherrlich kritisierte Führungsstil Schumachers gewesen. Dies habe sich in wenig behutsamer Personalpolitik, rigoroser Verlagerung von Jobs ins Ausland auch auf wirtschaftlich zweifelhafter Grundlage und imageschädigenden Standortdiskussionen niedergeschlagen. Mit dem Eklat hätten die unterschiedlichen Meinungen im Vergleich zu den Vorstandskollegen Andreas von Zitzewitz und Finanzchef Peter Fischl über den richtigen Führungsstil ein abruptes Ende gefunden.

Max Dietrich Kley als Interimschef eingesetzt

Der Aufsichtrat habe dem Rücktritt zugestimmt, teilte Infineon mit. Zugleich habe das Gremium Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley als Interimschef eingesetzt. Er solle den Konzern maximal ein Jahr lang leiten, hieß es weiter. Das Aufsichtsratsmandat Kleys läuft noch bis Ende kommenden Jahres. Der 64-jährige ehemalige Finanzvorstand von BASF sitzt in noch in einigen anderen Unternehmen im Kontrollgremium und ist zudem Präsident des Deutschen Aktieninstitutes (DAI).

Sein Abgang kommt dennoch überraschend

Zwar verlief die Zusammenarbeit Schumachers mit seinem Vorstand nicht immer reibungslos. Sein Abgang kommt dennoch überraschend. Noch im November 2002 hatte der Aufsichtsrat beschlossen, seinen Vertrag um fünf Jahre bis 2007 zu verlängern. Der knapp 46-Jährige stand seit April 1999 an der Spitze von Infineon, als der Siemens-Konzern seinen Halbleiterbereich ausgliederte. Zuvor hatte der studierte Elektrotechniker und promovierte Ingenieur bereits dreizehn Jahre lang bei Siemens Karriere gemacht.

Flaute

Nach dem Börsengang von Infineon im März 2000 brachte die weltweite Flaute auf dem Halbleitermarkt das Unternehmen und mit ihm viele Aktionäre der ersten Stunde in die Krise. Im vergangenen Jahr hatten Aktionärsvertreter den Vorstand für die schlechte Unternehmensleistung heftig angegriffen. Erst in den vergangenen beiden Quartalen hatte Infineon nach neun Minusquartalen in Folge wieder schwarze Zahlen vorgelegt.

Drohungen

Im Geschäftsjahr 2002/2003, das im vergangenen September geendet war, stand trotz eines Umsatzplus' von gut einem Viertel auf 6,15 Milliarden Euro unter dem Strich allerdings noch ein Verlust von 435 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr hatte Infineon das Minus jedoch mehr als halbiert. Schumachers Ziel war es, den Halbleiterkonzern bis 2007 unter die internationalen Top vier zu bringen und den Marktanteil von drei Prozent in 2002 auf dann sechs Prozent zu verdoppeln. Zuletzt hatte er immer wieder durch seine Drohungen, zumindest Teile des Unternehmens in Niedriglohnländer zu verlegen, für Schlagzeilen gesorgt. Entsprechend wenig Badauern zeigte die IG Metall über Schumachers Weggang und erhofft sich nach eigenen Angaben von dem Nachfolger eine konstruktivere Zusammenarbeit. (APA/dpa)

  • Ex-Infineon-Chef Ulrich Schumacher

    Ex-Infineon-Chef Ulrich Schumacher

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