Hohe Rohstoffpreise bereiten Konjunktursorgen

7. April 2004, 14:09
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China treibt Rohstoffpreise in die Höhe - Experten: Hoher Ölpreis entzieht Kaufkraft

Berlin - Die auf Rekordhöhen gestiegenen Rohstoffpreise bedrohen nach Einschätzung von Konjunkturexperten zunehmend die allmähliche Wirtschaftserholung. Verstärkt wird der Bremseffekt noch durch den schwächeren Euro, der die Preise der in Dollar abgerechneten Rohstoffe bisher abgefedert hat.

Wachstumsbremse

"Wir kommen in eine Wachstumsbremse hinein", warnt etwa Lothar Hessler von HSBC Trinkaus & Burckhardt. Für zahlreiche Unternehmen baue sich ein Kostenproblem auf, wobei vor allem der hohe Ölpreis belastend wirke. Die HypoVereinsbank veranschlagt, dass ein Anstieg des Rohölpreises um zehn Dollar je Barrel (159 Liter) über zwei Quartale 0,5 Prozentpunkte Wirtschaftswachstum kostet. Mit einer Entspannung der Rohstoffpreise rechnen die Experten kurzfristig nicht. Allerdings bewerten einige die hohen Preise für Rohöl oder Metalle auch als Beleg für die Erholung der Weltkonjunktur, von der Deutschland profitieren werde.

"Je mehr der Euro-Kurs nachgibt, desto mehr kommt das Problem der Rohstoffpreise zum Vorschein", sagt Andreas Rees von der HypoVereinsbank. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Rohstoffpreisindex des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA) hat im März mit 126 Punkten den höchsten Stand seit der zweiten Ölkrise Ende der 70-er Jahre erreicht. Dabei liegt auch der Teilindex für die Industrierohstoffe - ohne Erdöl - so hoch wie seit Jänner 1995 nicht mehr. Auf einem 23-Jahres-Hoch notierte diese Woche auch der Reuters-Rohstoffindex CRB.

China mit riesigem Appetit auf Rohstoffe

"Ein wesentlicher Grund für den Preisanstieg bei Rohöl, Metallen, aber auch Sojabohnen ist der riesige Rohstoffhunger Chinas", sagt der HWWA-Experte Klaus Matthies. Alleine bei den Basismetallen hat das boomende Land mittlerweile einen Anteil am Weltverbrauch von 20 Prozent. Für die hohen Rohölpreise, die nur wenig unter den Höchstständen während der Irak-Krise vor einem Jahr liegen, sind neben der steigenden Weltnachfrage unter anderem auch der Lageraufbau in den USA und die Ankündigung der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) verantwortlich, ab April die Fördermengen zu kürzen.

Der im letzten Jahr zum Dollar um 20 Prozent gestiegen Euro hat den Anstieg der Rohstoffpreise bisher abgefedert. Der Euro liegt mit rund 1,21 Dollar derzeit aber wieder knapp acht Cent unter seinem Allzeithoch Mitte Februar. Matthies erklärt, während sich die Industrierohstoffe 2003 in Dollar gerechnet um 17 Prozent verteuert hätten, seien sie in Euro um zwei Prozent gefallen. In diesem Jahr werde das anders sein. Schon jetzt lägen die Preise um 20 Prozent über dem Schnitt des Vorjahres und der Euro sei schwächer. Er erwarte, dass die Rohstoffpreise in Euro 2004 ebenfalls im zweistelligen Bereich steigen werden.

Privater Konsum belastet

DZ-Bank-Analyst Bernd Weidensteiner warnt, der Rohölpreis lasse nicht nur die Kosten für die Unternehmen steigen, sondern belaste auch den privaten Konsum: "Das ist wie eine Steuer auf Öl und Benzin." Rees ergänzt: zwar entlaste der schwächere Euro die deutsche Exportwirtschaft, die auf den Dollarmärkten an preislicher Wettbewerbsfähigkeit gewinnt. "Es überwiegen aber die negativen Folgen des höheren Ölpreises."

Entscheidend sei aber, was die Rohstoffpreise in die Höhe getrieben habe, gibt Christoph Weil von der Commerzbank zu bedenken: "Wenn das auf die boomende Weltkonjunktur zurück geht, ist das kein Problem, wenn es eine Angebotsverknappung ist, sehr wohl." Beides sei aber nur schwer voneinander zu trennen, zumal es vor allem beim Rohöl spekulative Verzerrungen gebe. Weidensteiner zufolge ist derzeit ein gegenläufiger Effekt zu beobachten. Einerseits werde den Haushalten Kaufkraft entzogen, andererseits ziehe die Weltkonjunktur an. Unter dem Strich glichen sich beide Effekte aus: "Auf dem jetzigen Stand muss man das für die deutsche Konjunktur neutral gewichten."

Schnelle Entspannung nicht in Sicht

Eine schnelle Entspannung bei den Rohstoffpreisen ist den Experten zufolge jedenfalls nicht in Sicht. Matthies zeigt sich zwar zuversichtlich, dass die Opec nächste Woche die angekündigte Drosselung ihrer Fördermenge verschieben wird. Eine Rückkehr zu dauerhaft niedrigen Rohölpreisen erwartet er aber nicht. Auch die Commerzbank rechnet im Jahresschnitt bei der europäischen Leitmarke Brent mit einem Preis von 30 Dollar je Barrel. Am Donnerstag kostete ein Barrel zur Lieferung im Mai rund 32,40 Dollar, die US-Sorte WTI 36,40 Dollar. (APA/Reuters)

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