Vorwurf: Geld für Informationen - IPI verurteilt Festnahme eines "stern"-Korrespondenten

2. April 2004, 14:27
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Internationales Presse-Institut sieht direkten Zusammenhang mit Berichten Hans-Martin Tillacks über Korruption im EP

Das Internationale Presse-Institut (IPI) mit Sitz in Wien hat die vorübergehende Festnahme des Brüssel- Korrespondenten des deutschen Magazins "stern", Hans-Martin Tillack, am 19. März scharf verurteilt. In einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung der Vereinigung heißt es, die Festnahme Tillacks stehe in "direktem Zusammenhang mit seinen Berichten über Korruption im Europäischen Parlament und die Statistische Agentur der EU (Eurostat)".

Informationsquellen

Die belgischen Behörden hätten damit versucht, Tillack zur Bekanntgabe seiner Informationsquellen zu zwingen, kritisiert das IPI, dem Chefredakteure und führende Journalisten aus aller Welt angehören. Besonders bedenklich sei, dass die belgischen Behörden die Durchsuchung von Tillacks Büro genehmigt hätten.

Das Brüsseler Büro des Magazins "stern" war am 19. März wegen des Verdachts auf Bestechung durch Tillack von der belgischen Polizei durchsucht worden. Tillack sei verdächtig, einem Angestellten einer europäischen Institution Geld für vertrauliche Informationen gezahlt zu haben, wurde als Begründung angegeben.

"Massiver Anschlag auf Pressefreiheit"

Tillack wurde nach "stern"-Angaben in den Büros der belgischen Bundespolizei verhört und nach zehn Stunden wieder frei gelassen. Er habe weder seine Frau oder seine Redaktion noch einen Anwalt kontaktieren dürfen. Der Journalist sagte zu den Vorwürfen: "Dass ich jemals Geld für Informationen gezahlt habe, ist eindeutig falsch und durch nichts belegt." "stern"-Chefredakteur Thomas Osterkorn verurteilte die Durchsuchung des Büros als "massiven Anschlag auf die Pressefreiheit". (APA/dpa)

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