Stronach packt nächste Idee aus

2. April 2004, 10:28
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Bundesliga-Präsident und Austria-Mäzen will einen Erstliga- oder Bundesliga-Klub zur Nachwuchsförderung kaufen

Oberwaltersdorf - Frank Stronach, Präsident der österreichischen Fußball-Bundesliga, hat am Donnerstag nach der Präsidentenkonferenz in Oberwaltersdorf mit der Ankündigung aufhorchen lassen, er wollen einen Klub der Red Zac Ersten Liga oder der T-Mobile Bundesliga kaufen. "Ich werde das tun, um dort junge Österreicher spielen zu lassen", kündigte der Austria-Mäzen an. Das "Tiger Team" wird in jener Form, in der es von Stronach im Februar vorgeschlagen wurde, definitiv nicht kommen.

Spielpraxis für Nachwuchs-Talente

Nun soll ein eigener Verein in einer der beiden höchsten österreichischen Klassen Spielpraxis für heimische Nachwuchs-Talente garantieren. "Es muss alles dafür getan werden, dass Österreich bei der Heim-EM 2008 eine schlagkräftige Mannschaft zur Verfügung hat", erklärte der Austro-Kanadier.

Edlinger hat rechtliche Bedenken

Welchen Klub er erwerben will, gab Stronach nicht bekannt. "Er wird wohl einige Anrufe von Präsidenten kriegen", vermutete Sturm-Boss Hannes Kartnig, der dem Liga-Präsidenten attestierte, "jetzt schon viel Ahnung vom Fußball" zu haben. Rapid-Chef Rudolf Edlinger gab hingegen zu bedenken: "Wenn er einen Bundesliga-Klub kauft, muss man sich anschauen, ob das rechtlich möglich ist."

Tendenz zu Meisterschaft von März bis Oktober

Bei der Präsidentenkonferenz zur Sprache kamen zudem auch allgemeine Struktur-Verbesserungen für junge Österreicher (u.a soll der Topf, aus dessen Mitteln jene Klubs, die viele Österreicher einsetzen, belohnt werden, massiv "aufgefettet" werden), was Stronach allerdings noch mit dem ÖFB ausdiskutieren will. Weitere Themen betrafen die mögliche Einführung einer U21- oder U23-Meisterschaft sowie die Umstellung auf eine "Kalendermeisterschaft". Diese Punkte sollen von den Sportdirektoren der Klubs ausdiskutiert werden, Bundesliga-Vorstand Peter Westenthaler hat jedoch "eine Tendenz in Richtung Ganzjahres-Meisterschaft" ausgemacht. "Aber eine Umstellung wäre frühestens in der übernächsten Saison möglich."

(Un)fähige Arbeiter und Manager

Stronach nahm auch zur Entlassung von Austria-Coach Joachim Löw Stellung. "Ich habe ihm gesagt, dass wir unter seiner Führung schlecht gespielt haben", sagte der Austria-Geldgeber und erwähnte in diesem Zusammenhang, dass es im Fußball wie in der Wirtschaft "keine unfähigen Arbeiter, sondern nur unfähige Manager" gebe.

Lob für Kronsteiner

Er habe volles Vertrauen zu Günter Kronsteiner. "Er ist ein ruhiger Typ, der gute Analysen macht", lobte er seinen neuen starken Mann bei der Austria, dessen Verweildauer auf der violetten Betreuerbank vielleicht jene seiner Vorgänger übersteigen könnte. "Ich hätte es am liebsten, wenn ein Austria-Trainer so wie ein guter Manager über zehn Jahre bleibt", so Stronach.

"Soziale Verpflichtung"

Dem Fußball werde er auf alle Fälle nicht so schnell den Rücken kehren. "Das ist eine soziale Verpflichtung für mich, denn Fußball ist als Massensport sehr wichtig. Mir wird der Geduldsfaden nicht reißen", versprach der Magna-Boss.

Martin Pucher: "Sitzung fruchtbringend"

Sehr zufrieden mit den Ergebnissen der Präsidentenkonferenz zeigte sich Mattersburg-Obmann Martin Pucher, er sprach sogar von einer "Sitzung, die selten so fruchtbringend" war. "Wir haben uns nicht nur gegen das Tiger-Team ausgesprochen, sondern uns bemüht einen Maßnahmen-Katalog zu erstellen, mit dem wir das selbe Ziel erreichen. Es ist ein Bekenntnis zu einer Begünstigung des österreichischen Weges beschlossen worden", das nun mit den Partnern, vor allem dem ÖFB, besprochen wird. "Wenn man das ins Laufen bringt, und die Bereitschaft von der Bundesliga in der Gesamtheit ist da, dann haben wir einen ordentlichen Schritt nach vorne gemacht. Ich bin Optimist, dass wir das bis Ende der heurigen Saison erreichen können", so Pucher. (APA/red)

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    Frank Stronach fühlt sich dem Fußball "sozial verpflichtet".

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