Mannesmann-Prozess: Gent stärkt Esser den Rücken

4. April 2004, 19:07
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Ex-Vodafone-Chef : Esser hat gekämpft

Düsseldorf - Im Mannesmann-Prozess um Millionenprämien hat der frühere Vodafone-Chef Chris Gent am Donnerstag über den entschlossenen Widerstand von Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser gegen die Übernahme durch Vodafone berichtet. Gleichzeitig wies Gent darauf hin, dass bis zur Einigung nicht über Prämien gesprochen worden sei. Insgesamt wurden fast 60 Mio. Euro gezahlt.

Esser habe verzweifelt für die Unabhängigkeit des Unternehmens gekämpft, sagte Gent bei seiner Vernehmung im Düsseldorfer Landgericht. Esser habe sich für die Interessen von Mannesmann eingesetzt und nicht für seine eigene Karriere. "Er hatte einen immensen Reichtum für seine Aktionäre geschaffen."

Dreimonatige Abwehrschlacht

Im Zuge der dreimonatigen Abwehrschlacht vor mehr als vier Jahren hatte sich der Aktienkurs von Mannesmann mehr als verdoppelt. Die Übernahme im Gesamtwert von 180 Mrd. Euro gilt als die teuerste in der Wirtschaftsgeschichte.

Kurz nach dem Verkaufs-Abschluss war bekannt geworden, dass Millionen schwere Prämien an Ex-Mannesmann- Vorstände und -Pensionäre fließen sollten. Deswegen müssen sich seit Ende Januar neben Esser unter anderem der Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann und der frühere IG Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel wegen schwerer Untreue oder Beihilfe dazu verantworten.

Ablehnung

Gent schilderte in seinen Ausführungen noch einmal sehr detailliert die Ereignisse vor, während und nach dem Übernahmekampf. Schon frühzeitig habe Vodafone versucht, mit Mannesmann eine volle Partnerschaft einzugehen, war aber bei den Managern des Traditionskonzerns auf Ablehnung gestoßen. Während der Abwehrschlacht sei es unter anderem um die unterschiedliche Vorstellungen über Strategien in der Telekommunikation und die Bewertung der Kaufofferte von Vodafone gegangen, aber nicht um Sonderprämien.

Der Vorschlag für die Auszahlung eines Bonus sei von dem Vertreter des Großaktionärs von Mannesmann, Canning Fok, gekommen. "Kein einziges Mal ist eine Prämie erwähnt worden, bevor die Zustimmung zu der Übernahme erfolgte", betonte Gent. Fok habe den Prämienvorschlag mit der großartigen Arbeit begründet, die Esser für die Aktionäre geleistet habe. Gent: "Esser hat das Thema Entschädigungszahlungen mit mir nie besprochen, er machte sich nur Gedanken um seine Kollegen.

Bei einer Bilanzausschusssitzung am 17. April habe der frühere Aufsichtsratschef Joachim Funk, der ebenfalls auf der Anklagebank sitzt, ihm verbittert und in unfreundlichem Ton gesagt, dass Vodafone ein großes deutsches Unternehmen ruiniert habe, berichtete Gent weiter. Dieses Auftreten sei der Grund, warum er die ursprünglich Funk zugedachte Prämie um 3 Millionen auf 6 Mio. DM (3,07 Mio. Euro) verringerte. Funk war zu dieser Zeit nicht mehr Vorsitzender des Kontrollgremiums.(APA/dpa)

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