FACC unterzeichnet großen Airbus-Deal

1. April 2004, 16:16
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Auftrag für Gepäckablagefächer im Wert von rund 200 Millionen Euro - Oberösterreich könnte um geplanten dritten Standort umfallen

Wien - Der oberösterreichische Flugzeugindustrie-Zulieferer Fischer Advanced Composite Components (FACC) hat am Donnerstag mit der Airbus Aircabin GmbH, einem deutschen Airbus-Tochterunternehmen, einen Zusammenarbeitsvertrag über die Entwicklung und Fertigung von Systemkomponenten der Gepäckablagefächer für den Airbus A380 unterzeichnet. Die FACC wird demnach ab Juli 2004 erste Bestandteile der Gepäckablagefächer ausliefern. Das Auftragsvolumen, verteilt auf die volle angenommene Lebensdauer des Fliegers von 16 Jahren, werde sich auf rund 200 Mio. Euro summieren und im Jahr 2005 für rund 200 Mitarbeiter Arbeit bieten, sagte der Vorstandsvorsitzende der FACC, Walter Stephan, am Donnerstag in Wien.

Zehnter Airbus-Auftrag

Es sei dies der zehnte Auftrag von FACC, der mit der Herstellung des Airbus zusammenhänge, so Stephan. Fünf Strukturaufträge seien direkt mit Airbus - einem Tochterunternehmen des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS (80 Prozent) und der britischen BAE Systems (20 Prozent) - abgeschlossen worden, fünf weitere mit Airbus-Zulieferern in Japan oder Großbritannien. Für den Flugzeugmotorenhersteller Rolls-Royce werden etwa Triebwerksverkleidungen erzeugt. Das gesamte Auftragsvolumen mit Airbus belaufe sich in der Zwischenzeit auf rund 1 Mrd. Dollar (820 Mio. Euro) , rund 720 Mio. Dollar sind direkte Aufträge von Airbus, 200 bis 300 Mio. Dollar entfallen auf Aufträge über Airbus-Zulieferer. FACC habe innerhalb der vergangenen vier Jahre 11 Mio. Dollar in die Airbus-Entwicklung investiert, so Stephan. Ab 2005 würden in das neue Projekt - auf 16 Jahre verteilt - 60 Mio. Dollar investiert werden.

Die heutige Vertragsunterzeichung wollte Stephan nicht alleine in Zusammenhang mit den Eurofighter-Gegengeschäften sehen. Mindestens genau so wichtig sei die Konkurrenzfähigkeit gegenüber einem japanischen Mitbewerber gewesen, so der Firmenchef. Laut Christoph Hoppe von Airbus Aircabin hat sich FACC gegen die Konkurrenz durchgesetzt. Er hoffe nun auf eine dauerhafte strategische Partnerschaft. Mit dem heute kommunizierten Auftragsvolumen würde sich der FACC-Anteil an den bisherigen Gegengeschäften von 60 auf 70 Prozent erhöhen (Stand laut Internet-Homepage des Wirtschaftsministeriums per 16.3.: rund 800 Mio. Euro, davon rund 500 Mio. Euro für FACC-Aufträge).

Dritter Produktionsstandort

Nicht zuletzt auf Grund des starken Euro deutete Stephan heute an, dass der geplante dritte Produktionsstandort nicht in Oberösterreich - am Firmenstandort Ried oder in Ort im Innkreis -, sondern im Ausland errichtet werden könnte. In Frage komme dabei weniger ein osteuropäischer Standort, sondern ein Standort in der Nähe eines Auftraggebers. Bis Ende Mai wird laut Stephan darüber eine Entscheidung fallen.

Wie Airbus-Vertreter Peter Klöpfer ausführte, wird der neue Super-Airbus A380 erstmals im kommenden Mai im französischen Toulouse zusammengebaut werden. Der Erstflug werde Anfang 2005 stattfinden. Anfang 2006 werde dann der erste dieser "Doppeldecker" an die Air Singapur ausgeliefert werden. Die Entwicklungskosten für den A380 hätten bisher 10,7 Mrd. Dollar betragen. Mit der heutigen Unterzeichnung sei einer der letzten Verträge im Zusammenhang mit dem Bau des A380 unterzeichnet worden. Klöpfer rechnet damit, dass pro Jahr 40 bis 50 A380 produziert werden. Das Marktpotenzial für Flugzeuge dieser Größe liege weltweit bei 600 Stück. Derzeit seien 129 A380 verkauft worden.

Deutlich besseres Ergebnis

FACC hat das Geschäftsjahr 2003/04 (per 29. Februar) mit deutlich besserem Umsatz und Ergebnis abgeschlossen. Nach vorläufigen Zahlen stieg der Umsatz um 31 Prozent auf 100,5 Mio. Euro nach 77 Mio. Euro im Geschäftsjahr davor. Auch das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) werde gegenüber dem Vorjahreswert von 3,3 Mio. Euro "deutlich zunehmen", so Vorstandschef Walter Stephan.

(APA)

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FACC

  • Der oberösterreichische Flugzeugindustrie-Zulieferer
FACC hat am Donnerstag mit der Airbus
Aircabin GmbH einen
Zusammenarbeitsvertrag über die Entwicklung und Fertigung von
Systemkomponenten der Gepäckablagefächer für den Airbus A380
unterzeichnet.
    foto: facc

    Der oberösterreichische Flugzeugindustrie-Zulieferer FACC hat am Donnerstag mit der Airbus Aircabin GmbH einen Zusammenarbeitsvertrag über die Entwicklung und Fertigung von Systemkomponenten der Gepäckablagefächer für den Airbus A380 unterzeichnet.

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