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Bircher-Brenners Rohkost-Theorien entsprachen dem Zeitgeist des jungen 20. Jahrhunderts. Viele wollten damals zurück zur Natur, sich gesund ernähren und bei der Land- und Bergbevölkerung sein. Im Sanatorium am Zürichberg konnte man diesen Zielen in eleganter Kleidung nahe kommen. Auch seine Schreibmaschine durfte man mitnehmen, wie Eberhard Wolff, Leiter des Bircher-Brenner-Archivs am Medizin-Historischen Institut der Universität Zürich, ausführte.
"Ein hygienisches Zuchthaus"
Ein radikaler Ausstieg aus dem bürgerlichen Leben war nicht notwendig. Dieser Umstand könne den Erfolg des Naturheilkundlers Bircher-Brenner teilweise erklären, sagte Wolff bei einem Festakt. Dennoch konnten sich bei weitem nicht alle Patienten mit Bircher-Brenners Ordnungstherapie anfreunden. Auf dem Zürichberg waren Alkoholabstinenz, richtiges Kauen, Bewegung im Freien und gesunde Ernährung vorgeschrieben. "Ein hygienisches Zuchthaus", befand Thomas Mann im Jahre 1909.
Auch politisch war Bircher-Brenner nicht unumstritten. Er äußerte in den dreißiger Jahren gewisse Sympathien für die so genannte "Neue Deutsche Heilkunde", mit der die Nazis Schulmedizin und Naturheilkunde verbinden wollten. Eine Berufung ans Rudolf-Hess-Krankenhaus lehnte der Zürcher Arzt jedoch ab. Die Bircher-Brenner-Klinik ist mittlerweile Geschichte, der Betrieb wurde 1994 eingestellt. Ein Versicherungskonzern kaufte den gesamten Gebäudekomplex und richtete dort ein Entwicklungszentrum ein. (APA)
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