Präzise Navigation

27. April 2004, 17:16
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Auf die Navigation im Kiefer von Patienten, die sich Zähne transplantieren lassen, sind zwei Wiener Mediziner spezialisiert. Ihre Präzisionsmethode ist mittlerweile weltweit gefragt.

Zahnarzt Dr. Michael Truppe hat ein Navigationssystem entwickelt, welches dem Arzt computerunterstützte millimetergenaue Arbeit in Ober- und Unterkiefer des Patienten ermöglicht. Reflektoren, am Kiefer des Patienten und am Bohrer des Zahnarztes angebracht, ermöglichen über Infrarotstrahlen, die von einem – quasi über dem Zahnarztstuhl schwebenden – Lichtbalken ausgesandt werden, die punktgenaue Platzierung des Implantats an der vorgesehenen Stelle. Und zwar ohne Unterkiefernerven zu beleidigen oder im Oberkiefer die Kieferhöhlen anzubohren.

Die Entwicklung der Software für die Navigation bei Implantationen durch Truppe – er arbeitet seit 1992 daran – war ein wesentlicher, aber eben nur ein Teil des derzeit weltweit einzigen Navigationsprogramms im Bereich der Zahnmedizin.

Im CT-abbildbare Kunststoffzähne

Eine ebenso wichtige Voraussetzung waren die aktuellen Entwicklungen der Diagnosetechnik, genau genommen die neuen 16-zeiligen Computertomographen von Siemens, die besonders detaillierte Bilder besonders rasch liefern. Dazu kommt noch die Entwicklung von Kunststoffzähnen, die von diesem Gerät abgebildet werden können. Sie werden ausschließlich von der Firma Ivoclar in Liechtenstein hergestellt.

Der Weg zur perfekten Implantation

Der erste Schritt bei der computernavigierten Zahnimplantation ist die Vorbereitung, die ohne Hightechgeräte in jeder Zahnarztpraxis durchgeführt werden kann. Dort wird dem Patienten ein Provisorium aus den Spezialkunststoffzähnen verpasst. Damit wandert er zum Röntgeninstitut, wo der für das Implantat vorgesehene Kieferteil samt Provisorium aufgenommen wird und die Daten auf eine CD gebrannt werden. Dann geht es weiter zu Navigator Truppe. Hier wird ein Programm erstellt, mit dessen Hilfe Implanteur Dr. Wolfgang Jesch seine Titanschrauben im Kiefer des Patienten versenken kann.

Jesch tut das mit der eigens von ihm entwickelten Stanze in einem Arbeitsgang. Der Zahnarzt des Patienten wiederum schraubt nun in seiner Praxis einen Porzellanzahn an das Metallteil, das im Kiefer fest verankert ist. (hi!tech, Ausgabe 1/2004)

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  • Die Führung des Bohrers von Prof. Jesch bei der Implantation wird über einen Infrarotbalken gesteuert..

    Die Führung des Bohrers von Prof. Jesch bei der Implantation wird über einen Infrarotbalken gesteuert..

  • Reflektoren am Kiefer und am Bohrer verknüpfen via Infrarot und Kameras reale und virtuelle Kieferwelt.

    Reflektoren am Kiefer und am Bohrer verknüpfen via Infrarot und Kameras reale und virtuelle Kieferwelt.

  • Softwarespezialist Truppe modifiziert an Hand von CT-Aufnahmen das Programm für die Implantation.

    Softwarespezialist Truppe modifiziert an Hand von CT-Aufnahmen das Programm für die Implantation.

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