Ein Herz für Tiere

5. April 2004, 17:07
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Alles, was Medizintechnik für Menschen zu bieten hat, kommt mittlerweile auch Tieren zugute. Katze, Hund und Pferd können im Falle eines Falles auf beste Behandlung zählen.

Schimpansen wird der graue Star operiert, Tumore bei Haustieren werden von Linearbeschleunigern mit Strahlen beschossen, Hunde und Katzen schiebt man durch Computer- (CT) oder Magnetresonanztomographen (MRT). Bei Pferden passen nur Beine und Hals in diese Geräte. Dafür jedoch werden sie szintigraphiert oder ihre Bewegungen am Laufband computerunterstützt mit Highspeedkameras analysiert.

Krumme Knochen überzüchteter Hunde werden bei Operationen durchtrennt und nach der Methode des berühmten russischen Orthopäden Ilizarov gerade gerichtet, künstliche Hüftgelenke eingesetzt und gebrochene Gliedmaßen unserer vierbeinigen Lieblinge mit Titanplatten zusammengeschraubt.

Wenn ein Pferd ein Auge verliert, bekommt es Ersatz aus Kunststoff. Das hilft zwar dem Pferd nicht, schont aber das ästhetische Empfinden des Eigentümers. Beinprothesen für wertvolle Zuchtpferde sind in England oder den USA bereits gang und gäbe. Rund 1.900 Tierärzte sind in Österreich derzeit mit der Erhaltung der Gesundheit von Haustieren und Nutzvieh beschäftigt. Tiere, seit Jahrtausenden Gefährten des Menschen, werden medizintechnisch nicht anders betreut als ihre Besitzer. Sie haben, seit sie genauso wie diese immer betagter werden, im höheren Alter auch die gleichen Leiden.

Röntgen, Ultraschall & Co

Mobiles Röntgen und Ultraschallgeräte finden sich heute in beinahe jeder österreichischen Tierarztpraxis. Dass das Tierspital der Veterinärmedizinischen Universität in Wien etwas hat, was die wenigsten Humankrankenhäuser in Österreich besitzen – ein EDV-System mit einem Netzwerk, in dem alle Abteilungen integriert sind.

Dass die Veterinärmedizinische Universität bei Operationen ein Anästhesistenteam einsetzt – genau wie in einem Humanspital –, ist ein Zeichen der zunehmenden Spezialisierung im Veterinärbereich.

Laufbanddiagnostik

Wenn die Möglichkeiten der bildgebenden Diagnostik ausgeschöpft sind, treten spezial Laufband, Highspeedkameras und Computern in Aktion. Mit einem Programm werden Unregelmäßigkeiten in der Bewegung des Pferdes festgestellt und grafisch dargestellt. Die subjektive Beurteilung des Bewegungsbildes durch den Experten wird durch die Elektronik objektiviert. Die Laufbanddiagnostik soll so weiterentwickelt werden, dass in Zukunft einem Pferd die Narkose erspart werden kann, die für eine CT seiner Beine oder seines Kopfes notwendig ist.

Szintigraphie

Auch auf die Diagnosemöglichkeit der Szintigraphie müssen heimische Pferdebesitzer nicht verzichten. Der Pferdefacharzt Dr. Georg Hladik hat in seinem Institut in Laab im Wienerwald das einzige Gerät dieser Art in Österreich installiert. Es zeigt Stoffwechselvorgänge im Körper und nutzt dabei den Umstand, dass sich radioaktive Stoffe in akuten Entzündungsherden ablagern.

Auf einem Bildschirm sieht man (je nach Entzündungsstärke unterschiedlich eingefärbt) den wunden Punkt, besonders gut in der Wirbelsäule oder in den Hüftgelenken. Auch für Kleintiere gibt es spezielle Kliniken, etwa jene von Dr. Günter Schwarz, der täglich sechs Operationen durchführt.

Zahnstation und Labor

Bei der Operation werden die Patienten nur per Inhalationsnarkose betäubt und ihre Vitalfunktionen mit all jenen Geräten überwacht, die auch beim Menschen verwendet werden. Natürlich sind auch eine echte Zahnstation sowie ein Labor für Blut-, Harn- und Hautuntersuchungen vorhanden. Sogar die Blutkonserven werden in der Kleintierklinik selbst hergestellt. So viel Hightech kostet Geld: Die Tiereigentümer zahlen für eine etwas kompliziertere Operation rund 1.500 Euro. Das ist mit die emotionale Seite der Tier-Mensch-Beziehung. (hi!tech, Ausgabe 1/2004)

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  • Prof. Christian Peham: „Die Laufbanddiagnostik soll Pferden die Narkose ersparen, die für eine CT notwendig wäre.“

    Prof. Christian Peham: „Die Laufbanddiagnostik soll Pferden die Narkose ersparen, die für eine CT notwendig wäre.“

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