Aufregung um neu aufgetauchte Dokumente in Minnesota

2. April 2004, 10:51
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Vor Gericht wurden erstmals interne Papiere von Microsoft präsentiert, die belegen sollen wie der Konzern sein Monopol missbraucht hat

Nach der Entscheidung der EU-Kommission sieht sich Microsoft nun auch auf anderer Front schweren Vorwürfen ausgesetzt. Im Kartellverfahren wurden in Minnesota erstmals interne Dokumente präsentiert, die einen Monopolmissbrauch und die Taktiken des Softwarekonzerns im Umgang mit der Konkurrenz aufzeigen sollen.

"Ein aggressiver Schritt gegen Microsoft"

Laut einem Bericht der New York Times wurde von der Klägerseite unter anderem ein Brief von Microsoft-Gründer Bill Gates an den damaligen Intel-CEO Andrew S. Grove vom Juni 1990 vorgelegt. In diesem Schreiben meint Gates, dass eine Unterstützung der Softwarefirma Go Cooperation durch den Prozessor-Hersteller als aggressiver Schritt gegen Mirosoft gewertet werden würde. In Zusammenhang mit Go legten die Kläger noch weitere Dokumente vor, die beweisen sollen, dass Microsoft Zugang zu technischen Unterlagen der Softwarefirma, die eigentlich nicht für den Konkurrenten verfügbar und vorgesehen waren, hatte. Für die Anwälte der Klagsseite sind diese Dokumente Beweise für das taktische Vorgehen von Microsoft und die unfaire Ausnutzung seiner marktbeherrschenden Stellung. "Die Konsumenten wurden geschädigt, da ihnen die Wahlmöglichkeit genommen wurde, doch der größte Schaden entstand dadurch, dass Microsoft Innovation und neue Technologie unterdrückt hat", so Eugene Crew, einer der Anwälte der Kläger. Nach Ansicht der Kläger beweisen die Dokumente wie Microsoft mit unfairen Methoden erfolgreich versucht hat, mit "Go" einen Anbieter von mobilen Betriebssystemen aus dem Markt zu drängen.

"Nicht relevant"

Microsoft-Sprecher Stacy Drake bezeichnete die vorgelegten Dokumente als irrelevant für den aktuellen Fall. "Es handelt sich um sehr alte Dokumente, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden, um den eigentlichen Verhandlungsgrund zu verwaschen", so Drake. Im Gerichtsstreit in Minnesota geht es hauptsächlich um die Preispolitik des Softwarekonzerns. Microsoft hat bislang schon 1,6 Milliarden Dollar an 10 US-Bundesstaaten für außergerichtliche Einigungen gezahlt.

Die Go-Geschichte

Als einer der Zeugen rund um die Go-Microsoft-Geschichte, sagte Jerry Kaplan, ein ehemaliger Lotus-Entwickler der Go, an dem auch IBM und AT&T beteiligt waren, gründete. Das Unternehmen wollte damals mit PenPoint ein Betriebssysten für eine Art Tablet-PC entwickeln. Als Reaktion auf PenPoint begann Microsoft unter dem Codenamen Windows-H mit der Entwicklung eines Konkurrenz-Produktes. Go wurde 1993 komplett von AT&T übernommen, das ein Jahr später ihre Bestrebungen in diesem Bereich einstellten - wenig später stellte auch Microsoft seine Pläne bezüglich Windows-H ein.

"Ich bin schockiert"

Kaplan meinte gegenüber der New York Times: "Ich bin schockiert und überrascht von den in den Dokumenten ableitbaren Aktivitäten von Microsoft. Das Vorgehen des Unternehmens war unkorrekt und bis jetzt unbekannt". Die Kläger sehen in den Dokumenten auch einen Beweis wie Intel durch das Vorgehen von Microsoft von einem Investment in Go abgebracht wurde. "ich glaube ich habe sehr klar dargelegt, dass wir im Intel-Investment in Go einen Schritt gegen Microsoft sehen, weil auf der einen Seite Go mit unserer Software konkurriert und andererseits der 386-PC-Standard dadurch geschwächt werden würde", schreibt Gates an Grove. Nach Angaben von Kaplan entschied sich Intel kurz nach dem Schreiben von Gates sein geplantes Investment in der Höhe von 10 Millionen Dollar auf zwei Millionen Dollar zu kürzen. Bislang gibt es von Intel kein offizielles Statement zur Causa.(red)

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