Im Hightechpanzer aufs Eis

15. April 2004, 10:28
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Bei der Eishockey-WM in Prag gewinnen nicht nur die härtesten Kämpfer, sondern auch die besten Materialien für Stöcke und Schuhe – sowie die modernste strategische Software.

Eishockey ist das schnellste und vermutlich auch härteste Mannschaftsspiel des 21. Jahrhunderts, bei dem jede Menge Hightech eingesetzt wird. Die Weltmeisterschaft in dieser Sportart wird vom 24. April bis 9. Mai in Prag und Ostrava in Tschechien ausgetragen. Hightech spielt mit. Allein die Bekleidung der Highspeedrecken hat es in sich. Sie laufen gepanzert wie die Ritter auf die im Durchschnitt 60 mal 30 Meter große Spielfläche, mit einer Rüstung, deren Teile aus modernsten Kunststoffkombinationen bestehen und die ebenso leicht wie haltbar sein müssen.

Geprüfte Qualität

Helme mit Visieren aus durchsichtigem, unzerstörbarem Kunststoff oder Metallgittern sind State of the art. Es wird ausschließlich Kopfschutz getragen, der auf Qualität getestet wurde. Das Prüfsiegel muss unbedingt auf dem Helm sichtbar angebracht sein. Die Liste der Belastungen, die ein Helm aushalten muss, ist lang; dabei soll er wegen der Beschleunigungskräfte, die bei einem Sturz auf die Halswirbelsäule wirken, auch noch besonders leicht sein.

Kopf und Beine gefährdet

Es ist aber nicht nur der Kopf, der bei dem harten, ungeheuer schnellen Spiel lädiert werden kann. In 14 Prozent aller Eishockey-Unfälle wird der Körper, in 28 Prozent werden Schultern und Arme und in 47 Prozent die Beine verletzt. Kein Wunder, dass die Spieler mit einem Rundumkörperschutz in den Kampf ziehen. Ihren Rumpf schützen sie mit hochfesten, thermoelastischen Kunststoffen, die sich perfekt an den Körper anpassen lassen. Brustplatten und Wirbelsäulenschutz sind in die Spitzenmodelle selbstverständlich eingearbeitet.

Die futuristisch aussehenden Schulter-Brust-Panzer, liebevoll „Robocop“ genannt, sollen bei diesem körperbetonten Spiel so wenig Angriffsfläche wie möglich bieten. Hände, Unterarme und Ellenbogen müssen besonders geschützt werden, weil die Schlagfläche der Stöcke, die Schaufel, an den Rändern scharf wie ein Messer sein kann. Die besten Handschuhe werden aus mehrschichtigen Schaumstoffen gefertigt, die mit einem besonders eng gewebten, schnittfesten Nylonstoff armiert sind. Schusssichere Westen bestehen aus ähnlich aufgebautem Gewebe. Die übergroße Hose der Spieler glänzt mit inneren Qualitäten: Fühlbar, aber äußerlich nicht zu sehen, sind alle empfindlichen Körperteile des Trägers durch eine Mischung von hochdichten, aber flexiblen Schaumstoffplatten geschützt. Kein Wunder, dass man für diese Beinkleider bis zu 180 Euro auf den Ladentisch blättern muss.

Messerscharfe Kufen

Schienbein- und Knieschützer sind, wie aus der Verletzungsstatistik zu entnehmen ist, fast die wichtigsten Protektoren, die von den Eisflitzern getragen werden. Besonders gefährdet sind mit einem Anteil von vier Fünftel die Kniegelenke. Verwunderlich ist das nicht. Denn die Füße der Spieler stecken im Schnittigsten, das dieser Sport zu bieten hat: in Schuhen mit messerscharfen Kufen. Daher sind die Eisstiefel außen – ähnlich wie die Handschuhe – mit schnittfestem Ballistiknylon überzogen. Das Innenleben der Schuhe wiederum ordnet sich komplett dem Komfort und der Standfestigkeit der Hockeyspieler unter.

Früher wurden die Werkzeuge, mit denen der Puck in das gegnerische Tor getrieben wird, ausschließlich aus Holz gefertigt. Heute sind die besten Geräte aus einer Kombination der Fasern Spectra, Carbon, Kevlar und Fiberglas zusammengestellt. Sie wiegen nur noch 429 Gramm und erhöhen die Schussgeschwindigkeit gegenüber dem um 200 bis 300 Gramm schwereren Holzstock um 5 Prozent. Der Nachteil der Hightechstöcke: Sie kosten bis zu 260 Euro und halten weniger lang als die Holzgeräte um höchstens 45 Euro.

Computer als Stratege

Die Beobachtung der Spieler und Spielzüge ist ebenfalls eine Besonderheit des Eishockey. In den höchsten Spielklassen des Eishockeygeschäfts werden die Mitwirkenden mit digitalen Kameras gefilmt und das Datenkonvolut in einen Computer eingespeist. Trainer können dann die einzelnen Spielszenen herausfiltern und grafisch darstellen. Mastercoach in Deutschland liefert derartige Programme bereits um rund 1.500 Euro. Kompliziertere Varianten, zum Teil in den USA und Kanada verwendet, kosten das Zwanzigfache.
(hi!tech, Ausgabe 1/2004)

Die Geschichte des Eishockey

Romantische Historiker behaupten, dass bereits die Indianer in Kanada auf zugefrorenen Seen gespielt haben. Über britische Soldaten – damals haben ganze Regimenter gegeneinander gekämpft – wurde dieser Sport 1860 an der Universität von Montreal durch Studenten akademisch geadelt und mit einem Regelwerk versehen, aus dem sich dann langsam das heutige Eishockey entwickelte.

Tatsache ist, dass Eishockey-ähnliche Spiele auch in Europa schon lange davor zum Gaudium von Spielern und vor allem Zuschauern beitrugen. Die Dauer des Spieles hing damals in erster Linie von der Lust der Mitwirkenden ab. Heute sind die Sportler exakt drei mal 20 Minuten – an reiner Spielzeit – auf dem Eis. Jede Unterbrechung wird genau einberechnet.
  • Die besten Stöcke sind aus einer Kombination der Fasern Spectar, Karbon und Kevlar zusammengestellt und wiegen nur noch 429 Gramm.

    Die besten Stöcke sind aus einer Kombination der Fasern Spectar, Karbon und Kevlar zusammengestellt und wiegen nur noch 429 Gramm.

  • Schuhe bestehen aus schnittfestem Nylon, das Innenleben ordnet sich dem Komfort der Fahrer unter.

    Schuhe bestehen aus schnittfestem Nylon, das Innenleben ordnet sich dem Komfort der Fahrer unter.

  • Helme mit Visieren aus durchsichtigem, unzerstörbarem Kunststoff oder Metallgittern sind State of the art – unbedingt mit Prüfsiegel versehen.

    Helme mit Visieren aus durchsichtigem, unzerstörbarem Kunststoff oder Metallgittern sind State of the art – unbedingt mit Prüfsiegel versehen.

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