Über ein Drittel der Wiener Telefonzellen kaputt

2. April 2004, 10:36
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AK-Test: Preisinfos, Telefonbücher und Geschäftsbedingungen waren Mangelware

Die öffentlichen Telefonzellen in Wien sind in einem mangelhaften Zustand, zeigt ein Test der Arbeiterkammer Wien. Über ein Drittel der 168 getesteten Telefonzellen war defekt, vereinzelt konnten nur Notrufnummern angerufen werden. 15 Prozent der Telefonhäuschen waren sehr verschmutzt. Außerdem fehlten oft Telefonbücher, Geschäftsbedingungen und Preisinfos. Trotz Handyzeitalter können Telefonzellen in Notlagen noch immer wichtig sein. Die AK fordert daher von der Telekom: Statt Umstrukturierungen zu Lasten des Personals und der Konsumenten, mehr Personal für Kontrollen und eine bessere Ausstattung.

100. Geburrtstag

Die öffentliche Telefonzelle gehört zu einer der ältesten Einrichtungen in Österreich - im Vorjahr feierte sie ihren 100. Geburtstag. In den letzten Jahren wurden die Telefonhütteln jedoch zu Stiefkindern auf Grund von Marktliberalisierung und der rasanten Technikentwicklung. Der gesetzliche Versorgungsauftrag soll sie am Leben erhalten. Immerhin kann im Notfall oder auch in kleinen Notlagen, wenn zB aufs Handy vergessen wird, ein Telefonhäuschen entscheidend sein, sagt AK-Konsumentenschützer Harald Glatz. Auch benachteiligte Menschen ohne eigenen Zugang zu Fest- oder Mobilnetz sowie Touristen sind noch immer auf eine Versorgung mit Fernsprechzellen angewiesen. Die AK hat daher die Funktionstüchtigkeit und Ausstattung der öffentlichen Sprechzellen auf Grund der Vorgaben der Universaldienstverordnung unter die Lupe genommen. Insgesamt wurden 168 Telefonzellen an 60 verschiedenen Wiener Standorten überprüft. Der AK-Test zeigt ein unerfreuliches Ergebnis: Der Zustand der Telefonzellen ist mangelhaft.

Mangelware Telefonbuch

Von den getesteten Sprechzellen war jede fünfte kaputt, weitere 16 Prozent waren nur "Notrufzellen", weil die Münzbehälter überfüllt und noch nicht entleert waren. Somit waren 37 Prozent der Telefonzellen für sämtliche Rufnummern nicht ungehindert zugänglich, resümiert Glatz. 15 Prozent der Telefonzellen waren besonders verschmutzt, es befand sich etwa Unrat darin, Wände oder Apparate waren verwahrlost. Ferner fehlten in jeder zweiten Telefonhütte Telefonbücher und Allgemeine Geschäftsbedingungen oder Hinweise, wo die Geschäftsbedingungen erhältlich sind. Auch Angaben über Preisinformationen waren in 28 Prozent der Telefonhütteln nicht auffindbar. Ein Drittel der Telefonzellen enthielt keine Informationen, wo sich der Konsument bei einer Störung hinwenden kann. Und in keiner Telefonzelle wurde darauf hingewiesen, wo sich die nächstgelegene befindet, sagt Glatz.

Die Wiener Ergebnisse sind nicht akzeptabel, auch wenn der jährliche Bericht der Telekom Austria an den Regulator besagt, dass im bundesweiten Jahresschnitt die Universaldienstverpflichtungen eingehalten werden, erklärt Glatz. Die AK wird die Telekom über die AK-Ergebnisse informieren und kündigt Nachkontrollen an. (red)

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