Klasnic: "Denke nicht nur an Köpferollen"

2. April 2004, 11:00
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Die Landeschefin wartet in der VP-Fehde vorerst ab -"Es geht darum, dass man Verantwortung für das Land übernimmt"

Graz - "Ein solcher Zustand ist nicht angenehm und tut natürlich auch weh", meint die steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (VP) zur Schlacht in ihrer Partei, die um den Estag-Skandal eskalierte, im STANDARD-Gespräch.

Soziologen vergleichen den Krieg bereits mit einem Shakespeare-Drama - immerhin sei es eine Auseinandersetzung, in der Seiten die "Vernichtung" durch den Gegner fürchten.

Bühnenreife

Tatsächlich hat der "Bruderzwist" zwischen Gerhard Hirschmann, ehemaligem Landesrat und Kurzzeit-Vorstand im Energiekonzern Estag, und dem amtierenden Wirtschaftslandesrat Herbert Paierl bereits Bühnenreife erlangt.

Die jüngsten öffentlichen gegenseitigen Anschuldigungen der einstigen Freunde, die als rebellischer ÖVP-Nachwuchs in der Ära des Altlandeshauptmannes Josef Krainer ihr politisches Debüt hatten, stellen Sachthemen in den Schatten.

Diese bleiben auf den 75 Seiten des Estag-Rohberichtes des Bundesrechnungshofes allerdings bestehen. Ob nun, je nach Ansicht der Fehde-Parteien, Paierl von Estag-Aufdecker Hirschmann verfolgt wird, oder Hirschmann, der vor seiner Entlassung aus der Estag immerhin 230.000 Euro verdient hatte, unter Paierls Rache leiden muss.

Der Vorwurf der Bilanzfälschung wird noch Thema des Untersuchungsausschusses sein, Wirtschaftsprüfer, die gleichzeitig die Berater des Unternehmens waren, zu 100 Prozent überbezahlte Käufe von Beteiligungen und letztendlich 406 Millionen Schilling die das Landesbudget gut vertragen hätte - wiegen schwerer als die "Fehde".

VP-Chefin denkt nach

Die Landeshauptfrau hält sich weiterhin zurück, während sich ihre beiden "Söhne" gegenseitig vorwerfen, die Parteichefin unter Druck zu setzen. "Es geht nicht darum, auf welcher Seite man steht, sondern dass man Verantwortung für das Land übernimmt", beharrt die Landes-Chefin.

Die Rede Paierls sei jedenfalls nicht mit ihr akkordiert worden. Laut Paierl, so dieser in der Rede, habe Hirschmann den Sturz der Landeshauptfrau geplant. Doch Klasnic selbst will davon nichts gemerkt haben: "Ich habe das in der Zeitung gelesen."

Spätestens wenn alle Fakten des Abschlussberichtes vom RH und die Befragungsergebnisse des U-Ausschusses vorliegen, werde sie über Konsequenzen nachdenken. "Ich denke nicht nur an Köpferollen, sondern an den Neustart." (DER STANDARD Printausgabe, 25.03.2004, Colette M. Schmidt)

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    "Ein solcher Zustand ist nicht angenehm und tut natürlich auch weh", meint die steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic zur Schlacht in ihrer Partei.

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