Vranitzky warnt die SPÖ vor Spaltung

6. April 2004, 16:33
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Der Altkanzler im STANDARD: "Die Sache wird schön langsam sonderbar" - Gusenbauer dementiert, Blau-Rot abgesegnet zu haben

Altkanzler Vranitzky warnt die SPÖ vor Spaltung. Die Darstellungen von Haider und Gusenbauer differieren. Laut Haider gab Gusenbauer grünes Licht für den Kärntner Pakt; der SP-Chef dementiert.

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Klagenfurt/Wien - Die Erklärung von Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider, wonach SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer von Anfang an in die Verhandlungen über einen FP-SP-Pakt in Kärnten eingebunden gewesen sei, sorgt bei den Sozialdemokraten für weitere Aufregung. Gusenbauer bestätigte im Gespräch mit dem STANDARD zwar, mit Haider telefoniert zu haben, bestritt aber energisch, grünes Licht zur blau-roten Koalition gegeben zu haben.

Altkanzler Franz Vranitzky warnt seine Partei vor gravierenden Folgen: "Die Sache wird schön langsam sonderbar", sagte er dem STANDARD, "die Leute schütteln den Kopf, weil sie nicht wissen, was in der Sache die Parteilinie ist. Der eine sagt, wir sind nach allen Seiten offen, der andere sagt, nein, davon sind wir weit entfernt. Das Risiko einer Spaltung der Partei ist groß. Die Verantwortlichen sind aufgerufen, dem energisch entgegenzusteuern."

Mehrfache Telefonate zwischen Klagenfurt und Wien am Verhandlungstag ließ auch SP-Landesparteichef Peter Ambrozy bestätigen. Gusenbauer dazu: "Ich habe gesagt, ich nehme es zur Kenntnis, dass sie beginnen. Vom Ende und der Einigung habe ich erfahren, als ich am Samstag in der Früh Ö3 aufgedreht habe."

In der ZiB 3 des ORF erklärte Gusenbauer, auf Bundesebene gebe es "keine Veranlassung, das Verhältnis zur FPÖ zu ändern". Die SPÖ stehe in Opposition zur schwarz-blauen Regierung. Wegen der Zusammenarbeit der SPÖ mit der FPÖ in Kärnten sieht Gusenbauer "keine Gefahr einer Spaltung" seiner Partei. Er finde es "sonderbar, dass versucht wird, der SPÖ eine Krise einzureden". (red/APA/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.3.2004)

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    Vranitzky: "Das Risiko einer Spaltung der Partei ist groß"

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