Industrielle lehnen "politisch motivierte Besetzungen" ab

2. April 2004, 11:00
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Steirische IV: "Schmerzhafte, aber konsequente Schnitte fortsetzen" - Grüne über SP-Querelen besorgt

Graz - Zu Wort gemeldet hat sich erstmals in Sachen EStAG die steirische Industriellenvereinigung (IV). Diese appelliert in großflächigen Inseraten in den steirischen Tageszeitungen (Donnerstag-Ausgaben) "an alle politischen Verantwortungsträger", eine "professionelle Neuorientierung des Unternehmens" einzuleiten und "politisch motivierte Neubesetzungen" auszuschließen. Eine Warnung richtete hingegen die Grüne Klubchefin im Landtag, Ingrid Lechner-Sonnek, an die SPÖ, die ihrer Ansicht nach den Erfolg des U-Ausschusses zur Klärung der EStAG-Vorgänge gefährde.

Die Sicherheit und Zukunftsorientiertheit der Energieversorgung sei eine wesentliche Säule der wirtschaftlichen Kraft der Steiermark, so die steirischen Industriellen, von denen unter anderen Carl-Anton Goess-Saurau, Ehrenvorsitzender der Mayr-Melnhof AG, Werner Tessmar-Pfohl (Sattler AG), Jochen Pildner-Steinburg (GAW Pildner-Steinburg), Gunther Knill (Knill-Gruppe), Michael Mayer-Rieckh (Leder & Schuh AG), Wolfgang Leitner (Andritz AG) und Gilbert Frizberg (Hereschwerke GmbH) unterzeichneten.

Appell

Der Konzern sei eines der Kernunternehmen des Wirtschaftsstandortes Steiermark. Die Industrie "als mit Abstand stärkste Wirtschaftskraft und stärkster Arbeitgeber der Steiermark" appelliere angesichts der Turbulenzen um das Unternehmen "an alle politischen Verantwortungsträger, die Sicherung der wirtschaftlichen Zukunft der EStAG in den Mittelpunkt ihres Handelns zu stellen".

Dies bedeute konkret, dass die "jetzt gezogenen schmerzhaften, aber konsequenten Schnitte - der Bericht des Rechnungshofs belegt deren Notwendigkeit - in eine professionelle Neuorientierung des Unternehmens führen müssen. Politisch motivierte Neubesetzungen in Vorstand und Aufsichtsrat seien auszuschließen. Führungserfahrung in Großunternehmen, Branchenkenntnis und internationale Reputation sind die alleinigen Kriterien für die Auswahl dieser Verantwortungsträger. Für eine wirkungsvolle Umsetzung von Managementfähigkeiten werde ein Umfeld benötigt, das im Rahmen langfristiger, vom Eigentümer vorzugebender Ziele unabhängiges Handeln ermögliche.

Grüne besorgt

Die Grünen drückten am Mittwoch ihre Besorgnis angesichts von Querelen im U-Ausschuss aus: "Im Ausschuss arbeitet SP-Klubobmann Walter Kröpfl mit, im Anschluss rückt Abgeordneter Kurt Gennaro aus, um den U-Ausschuss zu torpedieren", so Klubchefin Lechner-Sonnek in einer Aussendung. Gennaro hatte nach der vorletzten Sitzung erklärt, dass der U-Ausschuss seine Arbeit einstelle könne, da ohnehin alles klar sei. Die Grüne erklärte, die SPÖ sei natürlich am EStAG-Debakel mitbeteiligt. Wenn diese nun den Ausschuss "abschießt", dann stünden die Sozialdemokraten als "Vertuschungspartei" da. Lechner-Sonnek meinte am Mittwoch weiters, der durch die EStAG-Krise deutlich gewordene ÖVP-Machtsumpf schade der Steiermark enorm. Immerhin sei die ganze Regierungsriege seit einem Jahr durch den Konflikt Herbert Paierl-Gerhard Hirschmann "praktisch paralysiert".(APA)

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